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Jeschurun · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 236

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 236 (sequence 119)
Language
German
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236 Wunderbares im Alltäglichen und der Keimling schlüpft aus. Mit sechs Haken bewaffnet durchbohrt er die Magenwände, wirft die Haken ab und bildet im Muskelfleisch Finnen. Der rundliche Körper wird zur Blase anfgetrieben, in der bald ein Zapfen sich zeigt, der bereits die Anlage zu einem neuen Bandwurmkopf bildet. Um zur Ent- Wicklung zu gelangen, müssen aber die Eier mit dem eingeschlossenen Embryo in den Magen eines ganz bestimmten Tieres gelangen. So lebt die Finne des Hundebandwurms als Quese oder Drehwurm im Gehirn der Schafe; so ist das Schwein der Zwischenwirt für den sogenannten bewaffneten Bandwurm, der nur im Dünndarm des Menschen vorkommt. — Noch wunderbarer ist der Zeugungskreis der Digeneen. Hier müssen die späteren Larven erst in ein Weichtier eindringen, um dann die Stadien מKeimschlauch״ ,״Redien״, Schwänzlinge durchzumachen, bis letztere in freiem Wasser sich in einen neuen Wirt bohren. Dann erst tritt Verkapselung ein. Und nun muss erst ein höheres Wirbeltier diese Kapsel schlucken. Im Darm dieses Tieres wird die Kapsel verdaut und der Wurm wird frei und siedelt sich nun im neuen Wirt an und erzeugt Eier. Diese geraten mit dem Kote ins Wasser und so beginnt aufs neue der Entwicklungskreislauf. Gibt es eine bessere Illustration zu dem Worte des Aristoteles: Die Wirklichkeit ist poetischer als die Poesie? Könnte die Dichtung Phantastischeres ersinnen als uns hier vor unseren Augen sich begibt? Wir wissen wohl, dass es eine grosse Zahl von Naturforschem gibt, die trotz dieser Wunder eine zwecksetzende Macht ablehnen. Und zwar, weil 80 mancherlei des Zweckwidrigen unterläuft, oder besser dessen, was uns zweckwidrig erscheint. Vielleicht darf man auf Lessing verweisen, der doch hier ein guter Zeuge ist. Lessing, der Gipfelpunkt der Aufklärungsperiode, der freilich in genialer Grösse seinem Zeitalter vorauseilend sie überwunden hat. Er sagt im 38. Stück seiner ״Hamburgischen Dramaturgie״ :״Eines offenen Widerspruchs macht sich ein Aristoteles nicht leicht schuldig. Wo ich dergleichen bei so einem Manne zu finden glaube, setze ich das grössere Misstrauen lieber in meinen als in seinen Verstand.״ Und als

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