Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 178 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293060--09690-2302978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
178 Die Vertreibung der Juden usw. So wurde das kaiserliche Handbillet vom 13. 5. 1781 zur Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden in den österreichißchen Erbländern den Juden in der Bukowina zum Verhängnis1). Es wurde vom Hofkriegsrate in Wien absichtlich zuungunsten der jüdischen Bewohner der Bukowina in An״ Wendung gebracht und ausgeführt. Anstatt der vorgesehenen Erweiterung der Nahrungszweige der Juden wurden ihnen die״ selben noch mehr beschränkt, ja fast gänzlich entzogen und ihnen hierfür der Ackerbau aufgezwungen. Dies geschah, um auch die zurückgebliebenen ״alten״ einheimischen Juden, ״diesen un״ verhältnismässigen Haufen“, wie sie der Hofkriegsrat bezeichnete,. auf dieser erneuerten Rechtsbasis, die sie ״als Renitente“ ansah,, vertreiben zu können. So bereitete man ihnen das gleiche Schicksal wie den für ״fremde“ erklärten bereits aus dem Distrikte ״abgeschafften neuen Juden.“ In einer geschlossenen Einheitsfront traten die Juden für ihre Freiheit ein und unerschütterlich kämpften sie für eines der höchsten Güter der Menschheit: das Recht der freien Persönlich״ keit! Trotz ihrer starken Heimatsliebe zogen sie es, nachdem alle Mittel versagt hatten, gleich ihren Vätern vor, das Brot des Elends zu essen, dabei als freie Menschen zu leben, und Märtyrer für Glauben und Recht gleich ihnen zu sein als das Joch der Sklaverei auf sich zu nehmen und sich zu Parias herab״ drücken zu lassen. Zur gleichen Zeit, da sich im Westen dass diese Ereignisse sich in zasammengedrängter Form bei fast allen Schilderangen über die Bak. Juden finden, ist es ganz unverständlich, wie der jüdische Advokat Dr. Kassner (a. a. 0. 16) sich za der vagen Behauptung herbeilassen konnte: ״Betreffs der Buk. Judenschaft ist von d. Milit. Administ. zunächst der Zustand wie er vor der österr. Okkupation war, belassen worden, die freiere Entwicklung der alteingesessenen Jaden wurde respektiert.“ Allerdings findet sich bei dessen Darstellung auch gar keine Spur von einer Klassifizierung vor. Wie diese überhaupt za bewerten ist, mag das als ״Beweisfahrang“ seiner Behauptung angeführte Beispiel beleuchten, dass der Lichter- Zündungsaufschlag in d. Buk. um diese Zeit keine Geltung hatte, wohl aber in Galizien. Der Verfasser vergisst nämlich dabei, dass ein Anachronismus vorliegt, da diese Steuergattung erst 1897 in Galiz. zur Einführung gelangte» *) vgl. Zieglauer a. a. O. V. Bd. 10.