Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 176 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Die Vertreibung der Juden uaw. duldet zu werden, die allerhöchste Gnade nicht haben sollten, so hoffen sie doch, dass es nicht der allerhöchste Wille sei, sie mit der Räumung des Landes auch des Vermögens verlustig zu machen1 ״). Mittlerweile war Kaiser Josef II. zum ersten Male in der Bukowina eingetroffen. Hocherfreut benutzten die Juden die günstige Gelegenheit und machten in ihrer Verzweiflung in fast allen Städten dem Kaiser, wo immer er sich aufhielt, ״die dringendsten Vorstellungen״, er wolle doch die vollzogene KlassifizieruDg rückgängig machen oder wenigstens eine Verlängerung des Termines zur Annahme des neuen Berufes bewilligen. Sie überreichten viele Majestätsgesuche, kollektive im Namen der Kabale wie solche der gesamten Distriktsjudenschaft, in denen sie ihrer unglücklichen Lage beredten Ausdruck verliehen. Die Juden begleiteten die Uebergabe der Gesuche an den Kaiser mit einigen aufklärenden Bemerkungen und gaben ausserdem auch die Erklärung ab, dass andernfalls 200 jüdische Familien zum Auswandern bereit seien. Dennoch änderte Josef II., obgleich er den Wünschen aller anderen Konfessionen und Nationen des Landes Rechnung trug, die Verhältnisse mit eigenen Augen sah und die grosse Verzweiflung der Judenschaft in dieser neugewonnenen österreichischen Provinz bemerken musste, an der Sachlage nichts. Er erklärte sich vielmehr damit einverstanden und verordnete in seinem Czernowitzer Handschreiben vom 19. 6. 1783 an den Hofkriegsrats-Präsidenten FM Hadik: ״mit den Juden ist in dem gefassten Systeme fortzufahren und müssen solche entweder gute Handels- und Handwerksleute werden oder dem Ackerbau sich widmen, im Gegenteil sind sie aus dem Land zu schaffen02). J) Majestätsgesuch des Beil Herschi, Selig Jan kl und Chaim Sindel ״Abgeschickte aus d. gesamten Buk. Jadenschaft Wien, 10/6 1783“ b. Zieglauer a. a. 0. V. S. 81—84. Ueber Enzenbergs Verfolgung der Deputierten siehe seine Meldung v. 30/4 1783. 2) Polek Josef 11 Reisen S. 16, Zieglauer a. a. 0. IV. 10/11, 19/20 V. Bd. S. 87: 17 gemeinschaftliche Majestätsgesuche. Josef II war y. 16—19/6 1783 in der Bukowina. Enzenberg über die Vorstellungen der Juden beim Kaiser. Meldung v. 23/6 1783 an Gen. Kom.; dieses 2/7 1783 an HER; 10. Punkt des Handschreibens v. 19/6 1783.