Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 175 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Vertreibung der Juden usw. 175 Ackerbau verhalten״ zu werden und dass sie ״absolut“ noch einmal Deputierte nach Wien entsenden wolle 1). In die Sprache der Praxis übersetzt, heisst das: sie zogen das bittere Los der Verbannung mit Beibehaltung der persönlichen Freiheit einem weiteren Aufenthalte in ihrer Heimat unter Bevormundung und Sklaverei vor, sie wollten jedoch noch in letzter Stunde ihr Heil am Hofe suchen, wo sie diesmal doch williges Gehör zu finden erhofften. Enzenberg wiederum, der in dieser geradezu dramatischen Situation die unüberbrückbaren Hindernisse, sozusagen den toten Punkt erkannte, indem er ausdrücklich betonte, ״dass der Jude eher auswandern als den Pflug ergreifen wird“, drang in seinem leidenschaftlichen Hass auf eine rasche Vortreibung der Juden. Wie einst Haman erklärte auch er: ״unterdessen verliert der Staat gewiss an diesen Geschöpfen nichts, und es wäre zu wünschen, dass alle oder doch der grösste Teil auch eine andere Gegend zu verheeren beflissen sein würde“ 2 * * * * *). Natürlich unternahmen nun die Juden die letzten verzweifelten Versuche. Doch vergebens suchten sie eine Fristverlängerung von einem Jahre zur Vorbereitung für den anzunehmenden Ackerbau beim Hofkriegsrate in Wien und beim General-Kommando zu Lemberg zu erwirken8). Und eine Judendeputation von 3 Delegierten, die ungeachtet des erwähnten Verbotes des Hofkriegsrats-ßeskriptes v. 16. 10. 1782 und trotz strengster Beobachtung durch Enzenberg in Wien eintraf, überreichte ein neuerliches Majestätsgesuch, um ״Stillstehen“ oder wenigstens um eine Fristverlängerung der Abschaffung zu erlangen, mit der scharfsinnigen Begründung: ״wenn sie in den k. k. Staaten ge- *) Enzenbergs Meldung über die Vers&mmlang in der Synagoge am 29/4 t. 30/4 1788, Gen. Korn, darüber an d. HKR Lemberg v. 7/5 1783 Nr. 475 (Zieglauer a. a. 0. Bd. V. 76—78 nur im Auszug wiedergegeben). 2) Enzenbergs Meldung v. 22/4 1783. Merkwürdigerweise lässt Zieglauer (a. a. 0. V. 74/5) an dieser wie an anderen Stehen die herben Worte Enzenbergs gegen die Juden weg, was wahrscheinlich doch nicht ganz ohne Absicht geschehen sein dürfte. Aaeh ist Zieglauers Darstellung an anderen Stellen von einer ziemlich, subjektiven Auffassung nicht freizusprechen. s) Gesuche der Judenkahale in Sad&gura u. Wisznitz v. 27/5 1783, 31/5 und 28/617S3 an HKR u. Gen. Kom. zu Lemberg. Nr. 683 und 684, Nr. 563.