Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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5688 ניס{—אייר Heft 3/4 15. Jahrgang März—April 1928 Ibsen — was hat er uns Juden zu sagen? Es gibt kaum eine seltsamere Entgleisung als die Platos, da er die Dichter aus seinem Idealstaate verbannt wissen wollte. Die grossen und unsterblichen unter ihnen gleichen den Propheten, sie künden nicht nur den Zeitgenossen ihre Sünden, sie mahnen und geissein, sie erwecken und rütteln das Menschengeschlecht immer wieder von neuem auf, aus der Flachheit des erdgebundenen Lebens zu den Höhen der letzten Fragen sich zu erheben. Einer dieser Unsterblichen ist Ibsen, der in dem letzten Jahrhundert unter den Kündern und Förderern der grösste war. Und darum soll sein hundertjähriger Geburtstag zum Anlass genommen werden, dass wir uns darüber Rechenschaft ablegen, was dieser Prophet der ״Völker der Welt“ auch uns zu sagen hat. Aber wie?! Ibsen, der Brecher der alten Tafeln, der Umwerter aller Werte, der Vorkämpfer des Individualismus, der geschworene Feind der Kirchen, der Dichter der ״Gespenster“ und des ״Puppenheims“, der recht eigentlich die Zeit mit hat heraufführen helfen, in der ohne jede Bindung durch eine überlieferte Autorität seiner Natur gemäss zu leben als das Schöne und Gute gilt, dieser Ibsen könnte uns Juden etwas lehren? Den, der seine Dramen nur oberflächlich liest, nur die Einzelheiten kennt und beachtet, freilich nicht. Wer sie aber als Bruchstücke einer grossen Konfession wertet, dem offenbart sich der grosse Zug einer sittlichen und letzten Endes auch 1