Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 60 (sequence 60)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2293057-2293059--09571-2302858
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

60 Aus Israel Zangwills usw. spirieren so sehr gegeneinander, dass das arme Ländchen und Völkchen aus hundert Wunden blutend darüber zu Grunde geht und den politischen Leidenschaften dieser Demagogen erliegt). Dass diese antisozialistische Zeitsatire im konservativen England mächtigen Widerhall und freudige Aufnahme gefunden, und dass ein englischer Jude ein antibolschewistisches Stück geschrieben, nimmt weiter kein Wunder. Heute, wo der Bolschewismus im klassischen Lande Russland sich allen Anzeichen nach zu einer gewaltigen Staatsorganisation auswächst und sich langsam zu verbürgerlichen und in die Bahnen eines massvollen Sozialismus einzulenken beginnt, sogar Privatwirtschaftliehe Betriebe duldet, heute hätte Zangwill seine blutige Satire wohl gar nicht oder mit einem andern Ausgang geschrieben. * X * Zum Abschluss noch ein Mahnwort und ein Wunsch: Man widme Zangwills dramatischen Produktionen ebensoviel Beachtung wie seinen Romanen. Insbesondere zählen wir ״We Modems“ zu dem Lesenswertesten und überzeitlich Wertvollsten der jüdisch-literarischen Produktion. Das jüdische Volk ist verhältnismässig arm an dramatischen und bühnenwirksamen Leistungen. Umsoweniger dürfen wir an ״We Modems“ achtlos vorübergehen, diesem von echtem Theaterblut pulsierenden Schauspiel, ein Stück, ebenso lebensecht und aktuell in der Gestaltung wie Zangwills ״Kinder des Ghetto“. Ebenso wie wir in jenem Romane seinerzeit das damalige Problem des Ostens im Westen lebenswahr gestaltet fanden, ebenso treffend finden wir hier das brennendste Zeitproblem erörtert, die Frage der Kinder: Was fangen wir mit unsern Eltern an?, die noch dringlichere Frage der Eltern: Was fangen wir mit unsern Kindern an? Diese Zeitfrage geht in erster Reihe den Mittelstand, den jüdischen Mittelstand an. Und die Antwort des Dichters? Sie lautet etwa: Lehrt unsre Kinder Autorität anerkennen, die Erfahrung und Tradition der Rasse nicht zu überrennen! Warnt die Jugend davor, naturwissenschaftliche Experimente auf die bürgerliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.