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Jeschurun · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 57 (sequence 57)
Language
German
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Aus Israel Zangwills usw. 57 schule geworden, und auch dieser soll schon neben andren מVerdrängungen״ auch sexuelle Aeusserungen von sich geben (vgl. den recht ansprechenden, doch in seinen Konsequenzen leicht irreführenden Artikel von San.-Rat Dr. A. Stern über die Freud’sche Psychoanalyse im ״Israelit* vom 8. XII. 1927). Es ist u. E. ein Irrtum anzunehmen, dass Urtriebe, wenn auch auf primitiver Stufe der Menschheit vorhanden, in alle Ewigkeit im Unbewussten stetig existierend fortwirken und niemals zu einem solchen Grade ״sublimiert״ werden können durch Erziehung, Gewissenszucht und kategorische Grundsätze, dass der Normale und Gesunde (und das ist die Mehrzahl) eich frei von ihnen erklären und demgemäss handeln könnte. So wie es ״erworbene״ Eigenschaften der Rasse und Vererbung gibt, so muss es auch Triebe und Anlagen geben, die, im Urtypus vorhanden, im Jahrtausende alten Kampfe der Kulturmenschheit gegen sie verloren gehen oder mindestens machtlos werden. Es ist vor allem ein grundlegender, ja Verhängnisvoller Irrtum aller Freudjünger, dass sie grosse und allgemeine Phänomenkomplexe des Seelenlebens ganzer Völker (meist primitiver) auf einige wenige Triebe, meist Sexualtriebe zurückführen wollen und dabei meist die aus pathologischen Fällen gewonnenen Resultate zur Erklärung normaler Erscheinungen und täglicher Seelenprozesse der Individuen heranziehen. Alle Aeusserungen psychischer, metaphysischer, religiösethischer, künstlerischer Natur möchten sie auf einige wenige grobsinnliche Triebe herunterziehen, und das ist es, was feinsinnige Naturen leicht von dieser Theorie abschreckt. Doch wie immer man sich zu Zangwills Angriffen auf die Freudschule verhält — es bleibt ein unbestreitbares Verdienst des Dichters (trotz seiner Ueberspitzung der Figuren), dass er durch diese bunte Satire ״We Modems״ auf das masslose und nahezu sakrilegische Treiben gewisser expressionistischen Dichterkreise in England, (vgl. Walter F. Schirmer, Der englische Roman der neuesten Zeit, p. 49 f., Heidelberg, 1923), vielleicht auch bei uns, in dramatischer Form aufmerksam gemacht und so zur Reinigung der durch Selbstvergottung und Sexualinstinkt

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