Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 579 (sequence 131)
- Language
- German
- Belongs to
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Jung-Judentum 579 alles Thora, was je von Männern der Thora gedacht und gesproehen wurde, und auf dich, du einen, alleinigen stürzt es donnernd hernieder: ״Durchsuche mich — und lebe״!? "Wird uns Antwort, jemals Lösung werden? ״Wächter, wie spät ist’s in der Nacht״? — «Der Morgen ist gekommen, aber auch Nacht. Wenn ihr fragen wollt, so kommt nur wieder und fragt״. So ist ’s wohl: Morgen und Nacht — im Gegensatz liegt Frage und Antwort. Spannung entbindet Kräfte. Die Gegensätzlichkeit ist sozusagen wichtiger als die widerstrebenden Kräfte selbst. Der Jude, der ״ganz sein״ will mit seinem Gotte, darf nicht untergehen in der Bewegung der Vielen und nicht erstarren in der Enge seines Selbst. Nicht Chassidismus und nicht Mussar, nicht Selbstbescheiden und nicht Zielstrebigkeit, nicht diese — zahllos noch zu mehrenden — Kräftezentren gegensätzlicher Natur, nicht sie selbst werden uns Antwort stehen, sondern unser Erkennen und stets lebendiges Wissen um ihr Anderssein und ihr Gleichsein. Die Wurzel, die erste, allererste liegt ja klar zutage. ״Und nun Israel, was verlangt der Ewige dein Gott von dir — es sei denn : ihn zu fürchten*). Dazu das Wort des Talmuds: ״Hieraus ersieht man, dass alles in Gottes Hand ist, ausser der Gottesfurcht״**). Das ist so unscheinbar und doch so gross, dass man in air dem, was das Judentum der Thora hervorbrachte, dies als das Einigende, als das Gleichseiende erkennt. Und wenn man es nicht finden sollte — nun: es ist nicht Thora . . . Diese alte Erkenntnisgrundlage muss Bewusstsein werden, ehe man sich zusammenfindet. Und hier allein findet man sich zusammen. Auch wir gesetzestreuen Juden Deutschlands — nur hier sind wir beisammen. Denn auch wir sind nach Naturell und Milieu, nach allgemeiner- und Berufsbildung, nach jüdischem Wissen und Fühlen dermassen differenziert, dass wir uns über den Weg unserer Jugend, unserer Zukunft nicht eher Klarheit verschaffen werden, ehe wir nicht dies Fähnlein zur Sammlung entfaltet. Nun! Auch die Gegner der modernen, selbstbewussten Art der Jugend sollten ihre Freude daran haben, dass sich gesetzestreue *) Deut. 10,12. **) Beraehoth 88 a.