Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 577 (sequence 129)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293050-2293055--09362-2302647- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jung-Judentum 577 — ihre eingangs erwähnte Eigenart gewahrt und — was ßehr bedeutsam — ihren Weg ausserhalb Deutschlands nicht fortgesetzt. Man hat versucht, den Grund dafür in der schwärmerisch-grüblerischen Art zu sehen, in dem Hange nach Alleinsein, nach Selbstbeobachtung, der dem deutschen Wesen zueigen sei. Das mag Wahres in sich haben. Es steht aber ausser allem Zweifel, dass das Jungkameradentum, das freie, vertraulich-ehrliche Verhältnis zwischen Führern und Geführten, dies Ringen um Menschentum (wie auch immer aufgefasst) ermöglichte, das die deutsche Jugendbewegung zu einem Machtfaktor der Erziehung und darüber hinaus der Zukunft Deutschlands erhob. ־דד Auf der Ausstellung im Schloss Bellevue waren auch die derzeitigen jüdischen Jugendverbände Deutschlands mit einer Koje vertreten. Verschiedene Bilder erzählen uns von den mannigfachen Bestrebungen dieser Jugend, vom Studium der Schrift bis zur Berufsumschichtung — alles in der Mitte geeint durch Davidschild und kraftvoll rauhe Schriftzeichen, die die soziale Arbeit auf den ״Schild״ erheben. Das Ganze nicht ohne Geschmack, doch dürftig, wenn man die einzelnen Namen der Jugendverbände überfliegt. Ist die. bewusst-jüdische Jugend Deutschlands so klein, dass ihr diese Koje adäquat ist, dann bedarf es, so sollte man meinen, nicht der vielen ״Annehmer״. Doch lassen wir diese naiven Meditationen. Uns interessiert hier die gesetzestreue Jugend Deutschlands: Agudoh- Jugend, Esra. Misrachi-Jugend. Die Agudoh-Jugend unternimmt wohl Wanderungen und hält auch Aussprachsabende ab, jedoch ist ihre ganze Verfassung mehr die eines Jugend Vereins als die einer Jugendbewegung. Das muss nicht als Minus gewertet werden. Doch wird es darauf ankommen, ob die ״Söhne״ selbst, die Lehrlinge Gottes, die Bauleute sind und die Aelteren nur Ratende und Mahnende. Wenn nun behauptet wird, der Esra habe der Agudoh-Jugend das Feld abgegraben, so ist das keine Verteidigung. Hiermit ist festgestellt, dass die Mehrheit der gesetzestreuen Jugend das Kameradentum und die vertrauliche Bindung von Führern und Geführten, wie es der deutschen Jugendbewegung zueigen ist, als den besten Weg 9