Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 325 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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Büch erb espr echun gen 325 die Beziehung und Verwertbarkeit für das religiöse Empfinden und die religiöse Praxis hergestellt wird. Damit muss sich freilich der jüdische Benutzer abfinden, dass es ein Werk christlicher Theologen ist und vorwiegend die Anschauung der christlichen Theologie zu Worte kommt. Das kommt nicht nur in dem grossen Ausmass, mit dem die Geschichte der christlichen Theologie und die christlich praktische Theologie behandelt wird, zum Ausdruck, sondern auch in der Beurteilung von Weltanschauungsfragen. Doch wird überall, wo es nur angängig ist, zumeist in besonderen Abschnitten, auch die Stellung des Judentums zu der betreffenden Frage erörtert. Oft sind diese Absätze jüdischen Autoren zur Behandlung anvertraut. Unverständlich bleibt freilich, wie der Artikel ״Baalschemtob“ (Beseht) an einen Nichtjuden übergeben werden konnte, wobei ein böser Sehnitzer unterläuft. ״Er suchte die religiöse Not des Volkes zu überwinden durch möglichste Vereinfachung der Religion״. Man sollte doch alle Artikel über jüdische Geschichte jüdischen Autoren lassen. Diese sind immerhin mehr mit dem Geist der betreffenden Persönlichkeiten vertraut. Bei den biblisehen Thematen — an deren Behandlung freilich der gesetzestreue Jude wenig Freude hat, — sie nehmen alle die extrem bibelkritischen Ansichten als gesicherte Ergebnisse der Wissenschaft — kann man es ja verstehen, dass die christlichen sie sich Vorbehalten. Wie ,wenig erschöpfend sie aber oft — objektiv betrachtet — sind, sieht man aus dem kleinen Artikel ״Amalekiter“ von Gressmann. Aus den 10 Zeilen, in denen die biblischen Daten angegeben sind, gewinnt man keinen Eindruck, welche ganz überragende Rolle Name und Begriff Amalek im midrasch-talmudischen und Spätjudentum spielt. Wir könnten noch eine Reihe kleiner Ausstellungen machen: Im Artikel Abbreviaturen ist nicht angemerkt, welchen Umfang diese in der jüdischen Literatur annehmen, sodass sich daraus schon allein eine unüberwindliche Schwierigkeit in der Benutzung für den Uneingeweihten ergibt. Bei Achab: Es heisst doch die Dinge recht oberflächlich beurteilen, wenn man die Propheten als Wortführer der nationalen Bewegung gegen Achabs Aussenpolitik ansieht und die Nabotbgeschichte, eine der ergreifendsten in der Bibel, als einen ״innenpolitischen Akt“ wertet. Bei ״Arnos“: ״Wir wissen(?!), dass sein Bild von der Zeit der ersten Liebe Israels ein idealisiertes ist“. Der Papst Alexander VI. musste doch weit ausführlicher behandelt werden als andere Päpste gleichen Namens. An seiner Ruchlosigkeit konnte die Verderbtheit der gepriesenen Renaissance- Menschen recht deutlich aufgewiesen werden. Aber was wollen diese Kleinigkeiten alle besagen gegen die im Ganzen vollendete Ausführung dieses monumentalen Werkes, das für jeden unentbehrlich ist, der als geistiger Führer auch innerhalb des Judentums sich über die einschlägigen Fragen orientieren will.