Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 208 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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208 Bücherbesprechungen D. Dr. Alfred Jeremias: Jüdische Frömmigkeit. Heft 2 der ReligionswissensschaftlichenDarstellungen der Gegenwart. J. C.Hinrich’sche Buchhandlung, Leipzig 1927. Im Rahmen einer allgemeinen Sammlung über die Frömmigkeit der Religionsgemeinschaften der Gegenwart ist über das Judentum eine Schrift Ton allerdings nur 62 Seiten erschienen. Es ist höchst bedeutsam, dass der Verfasser eigene Beobachtungen zum Grundstock seiner Arbeit gemacht hat und Bücher, sowie Mitteilungen anderer nur ergänzend verwertet. Ein weiterer Vorzug, dass er das pulsierende religiöse Leben des Ostens aus eigener Anschauung heraus kennt und diese so überaus starke Religionsgemeinschaft in den Vordergrund rückt. So kommt es, dass das Büchlein Wärme in sich trägt und ohne Zweifel solche an jeden Leser weitergibt — trotz der Aus־ Stellungen, die im Einzelnen zu machen sind. Als solche seien erwähnt: Die einerseits theologisch• christliche, andrerseits allgemein religionsgeschichtlich bedingte Einstellung des Verfassers (schon als Herausgeber der Sammlung) fördert Ansichten zutage, die manchmal auf sich beruhen mögen, des öfteren aber Widerspruch herausfordern. ״Dass Chanuka Sonnenfest ist, beweist der Name (Chanuka ist Henochj und der Lichtcharakter des Festes. — Hinter den Festlosungen ״Verflucht sei Haman“ und ״Gesegnet sei Mordechai“ steckt übrigens Freude über Wintervertreibung und Frühlingssieg.“ (S. 32). Man wird vor solchen Feststellungen kopflos stehen. Auch ist der Unterschied *wischen misnagdischer und chassidischer Auflassung nicht strikt durch* geführt,manche Tatsache unrichtig mitgeteilt. Dass die 7 Omerwochen keinen Freudencharakter tragen, sondern eine überaus ernste Zeit sind, hätte Jeremias bei seinen sonst so gewissenhaft angestellten Beobachtungen gleichfalls erkünden können. ״Die Kahlheit der Talmudgelehrsamkeit, die keine originellen Gedanken anregt“ (S. 45) und ähnliche Urteile lassen schliessen, ebenso wie die ausserhalb der Darststellung der chassidischen Welt viel zu stark betonte jüdische Mystik, dass J. die Bedeutung der Thora als allein massgebender Instanz doch nicht klar erkannt hat. Im Ganzen jedoch eine begrüssenswerte Studie. —i. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemuth, Berlin Druck von Itzkowski & Co., Berlin N 24, AujTistatr. 69