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Jeschurun · 1926-11-01 · Heft 11-12 (November 1926) · p. Seite 632

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Journal
Jeschurun
Volume
13 (1926)
Issue
Heft 11-12 (November 1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 632 (sequence 108)
Language
German
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im 632 Bücherbesprecliungen Wertung des Materials immer als Apologetik abgewiesen 1wird. Gressmann sagt in seinem Vorwort ״Mit dem sicheren Blick eines Historikers ist es ihm (Boasset) gelangen die treibenden Kräfte der Entwicklung aufzuzeigen and in den innersten Sinn des Geschehens nachfühlend and miterlebend (von ans gesperrt) einzudringen. Und das ist es eben, was wir hinsichtlich des pharisäischen Judentums aafs entschiedenste bestreiten. Hier ist der innerste Sinn des Geschehens mit nichten nachgefühlt and miterlebt. Um das za belegen, müsste man alle bisher von jüdischer Seite erschienenen Schriften and ich selbst zahlreiche meiner Aufsätze im ״Jeschurun“ aasschreiben. Völlig hoffhunglos ist eine Diskussion mit einem, der den Satz hinschreibt (neben ähnlichen Sätzen) ״Demütige, knechtische Beugang des,menschlichen Willens unter Gottes allmächtigen, an&rforschlichen Willen, Handeln nach seinen Geboten, den verständlichen und den unverständlichen, in jedem Augenblick des Lebens ist Frömmigkeit“, (S. 375) wenn einer keinen Hauch verspürt bat von dem, was dem Juden מצזה bv שפחה bedeutet. Dieses Gefühl steht im Zentrum jüdischer Frömmigkeit (ich habe darüber gerade mit Bezugnähme auf die christliche Auffassung gehandelt Jesch. III 527—545; 655—685). Von ihm steht fast nichts in den Quellen, nicht einmal in den späteren talmudischen. Dass diese Seligkeit in der Freude an der Pflichterfüllung, die ״jeden trübenZug der Resignation“ verscheucht, kein Ergebnis einer späteren Entwickelung sein kann, ist jedem klar, der die Leidenszeit des Judentums nach der Zerstörung des Tempels bis nahe an die Gegenwart berücksichtigt. Sie kann nur eine Erbschaft des ״pharisäischen Judentums“ sein. Aber das ist eben der methodologische Grundfehler, dass sich die jüdische Religion — immer inbezog auf das pharisäische Judentum von uns bemerkt — nach Boussets und Gressmanns Ansicht grundlegend geändert hat und daher Rückschlüsse aus den Zuständen späterer Zeiten auf die vorangehende Zeit nicht gemacht werden dürfen (S. 41). Güdemann erzählt am Beginn seiner oben erwähnten Artikelserie von dem Professor, der auf dem Katheder eine gar seltsame Beschreibung der Teflllin auf Grund von Quellenforschung gab, anstatt sie sich von dem ersten besten Juden zeigen zu lassen. Wir meinen, das ist noch ein Nichts gegenüber dem Versuch aus den toten Quellen nachzufühlen und miterleben za wollen, was heute in Millionen gesetzestreuer Juden an lebend i g e n Quellen sprudelt Nichts ist gerade so stabil geblieben als das Wesen jüdischer Frömmigkeit seit der Zeit der Tannaiten. Doch eben an dieser Voraussetzung seheiden sich die Geister. — Das Werk — das wir ein Standard-Werk nennen — noch inbezug auf die von stupender Gelehrsamkeit zeugende Fülle des Stoffes, die Grosszügigkeit seiner Darstellung, die Schönheit seiner sprachlichen Form zu rühmen, erübrigt sich. Es ist für jeden, der sich mit dieser Epoche wissenschaftlich beschäftigt, ebenso unentbehrlich wie der ״Schürer“ und erspart eine kleine Bibliothek. J. W. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemuth, Berlin Druck von ltzkowski & Co., Berlin N 24, Auguststr. 69

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