Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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5686 חשון תשרי 13.Jahrgang Heft 9/10 September — Oktober 1926 Reform, eine historische Perspektive*). Von Ari Wohlgemuth, Berlin. Jedes Volk sucht Berechtigung für seine Gegenwart in seiner Geschichte. Das jüdische Volk ist in diesem Betracht auch seinen eigenen Weg gegangen. Dem Judentum ist Historie nicht nur Erinnerung, nicht allein Fundament, Judentum selbst ist verlebendigte Historie. ״Die Worte, die ich dir heute befehle, sollen dir zu Herzen gehen.a ״Sie mögen dir nicht wie ein altes Edikt erscheinen, das niemand achtet, sondern wie ein neues, das jeder lesen will1).“ Je mehr der Jude die Heutigkeit seiner Vergangenheit empfindet, desto intensiver und reiner zugleich ist sein Judesein. Diese Forderung der stetigen Renaissance gilt auch für die Ereignisse der jüdischen Geschichte. Wenn für das Geschehen des Auszuges aus Aegypten gefordert wird, in jedem Geschlecht habe sich der einzelne selbst als eben befreit zu betrachten, so wird für ein ähnlich bedeutsames Ereignis erklärt: ״Jede Generation, in der der Tempel nicht erbaut wird, wird angesehen, wie jene, die seine Zerstörung miterlebt2).“ Das Wort des scheidenden Mosche זכור ימות עולם בינו שנות דור ודור findet hier seine tiefe Erklärung, dass es nicht nur um ein Gedenken, nicht nur um ein Erkennen *) Abdruck eines nur wenig geänderten Referates, gehalten auf dem diesjährigen Bundestag des Esra auf der Hnysburg bei Halberstadt. — Der Begriff ״Reform“ ist, wie erwiesen wird, weiter gefasst als der übliche. רש״י לדברים ר ו׳ בשם ספרי (ג 2) ירושלמי יומא פ״א. 1