Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 482 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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482 Vom Tanz Kälte ist die Folge. (Franke, München, sucht den degenerativen Charakter der oft schon primär gefundenen sexuellen Anaesthesie, die sicherlich keinen Vorzug, sondern eine folgenschwere, am Nachwuchs sich rächende Ausfallserscheinung darstellt, nachzuweisen.) Ein durch künstliche Aufreizung wie Tanz so mächtiger Trieb, wie der Sexualtrieb lässt sich aber aus der unendlich reichen ״Gleichung Mensch“ nicht einfach eliminieren. Wenn der Faktor auf der einen Seite verschwinden muss, erscheint er eben auf der anderen Seite mit entgegen• gesetztem Vorzeichen. So erklärt sich auch die Entstehung des furchtbaren dritten Geschlechtes überall da, wo aus irgendwelchen Ursachen versucht wird, durch lange Gewohnheit den Naturtrieben Gewalt anzutun. (Gefängnisse, Militär, griechischer Kult der Männerschönheit.) Während die heutige Gesellschaft die Frau vielfach entweibt hat, zwingt dieselbe den Mann seiner Männlichkeit zu entsagen. Aus Selbsterhaltungstrieb sich anpassend an die Verhältnisse der Zeit muss er sich eines grossen Teiles der Kraft entschlagen, die die Gewähr für einen vollwertigen Nachwuchs böte. Die Vorschriften der תורה halten es für richtiger, Vorbeugung durch Abschliessen anstatt Kampfes oder Abstumpfung zu verordnen. Die heutige Zeit dagegen stellt mit übermässig starken Reizen, denen durch alle Sinne möglichst Tür und Tor geöffnet wird, den einzelnen immer- und immerfort auf die schwerste Probe. Um ihnen nicht zu unterliegen (über die Elastizitätsgrenze steht uns kaum ein richtiges Urteil zu, sie ist leicht überschritten und aus momentaner Beherrschung wird scheinbar Ertötung, die meist aber Verkehrung ist) weicht der Mann aus und flieht — ins Weibliche. Effeminatio, wie es die Römer nannten, ist Flucht und bedeutet Untergang. (Diesen Weg schritten die alten Völker alle: Perser, Griechen, Römer.) Die einzige praktische Möglichkeit, vollwertige Männer und damit undegenerierte Nachkommenschaft zu erhalten, besteht in der Abschliessung und Trennung der Geschlechter, wie sie ת״ה durchgeführt wissen will. (Das Tier ist durch die Periodizität seiner Triebe geschützt).