Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 365 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Kulturromane usw. 365 den furchtbaren Ausschreitungen der Weissgardisten gegen die Juden einiger Nachbarstädtchen. Heillose Angst bemächtigt sich des sonst friedlich dämmernden Gottesvölkchens, Chmelnizky- Visionen steigen vor ihnen auf, das Schewuoss-Fest steht vor der Tür, unter Tränen und Angstbeben trifft man im Hause des Z a d i k und seiner Anhänger die Festvorbereitungen, die zugleich eine Bereitschaft zum unausbleiblichen Tod für sie bebedeutet, ungeheure Spannung lagert über der Gemeinde, das Trauerfest wird zum Trauertage, die Synagoge widerhallt von Klagen und Selbstzerknirschung, nirgends ein Ausweg zur Rettung, wer wendet das Verhängnis? — Da kommt dem Sohn des Zadik, einem weltklugen, diplomatischen Kopf, die Erleuchtung: Er wendet sich an den Puritz des Dorfes, den einflussreichen Grafen Zadorski um Hilfe; er erklärt ihm die prekäre Lage seiner Glaubensgenossen und bittet ihn um Ent- Sendung eines Regiments Donkosaken, deren Hauptmann dem Grafen befreundet ist, und diese Idee rettet die Situation. Die grimmen Kosaken rücken ein und werden von den Juden wie Sieger begrüsst und fürstlich bewirtet. Man denke sich die grimme IroDie der Situation : Die Kosaken als Judenretter! Und wirklich, kein Feind zeigt sich vor den Toren. Es vergehen acht bis vierzehn Tage, nichts Bedrohliches meldet sich; allmählich löst sich die Spannung. Die Angstgefühle weichen, Ernüchterung tritt ein, es kommen Berichte, dass es in den Nachbarstädten mit den Plünderungen gar nicht so arg gewesen sei, und es entsteht die Frage : wie wird man diese kostspielige Besatzung, die Herren Kosakenretter, auf eine schöne Art wieder los? Wieder muss der Diplomat, der Sohn des Zadik, beim Puritz intervenieren; unwiderstehlich komisch, wie der Graf, der Kosakenhetmann und der grundgescheite Jude sich über die Glaubensgenossen unterhalten und der Jude ihnen so sachte klarmacht, dass es Zeit sei, sie, die Dorfjuden von ihren nunmehr unerwünschten Rettern zu befreien. Der Hauptmann gibt Befehl und Zeichen zum Abzug — erlöst atmen die Juden auf, Gott hat wieder einmal durch Eingreifen des Zadik und seines Sohnes ein Wunder eintreten lassen, wieder geben die