Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 260 (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Büeherbesprechungen der Persönlichkeit des Mannes, der, der Schöpfer der Bewegung und ihr grösster Führer, zugleich die grösste Figur des Kongresses darstellte: Jakob Rosenheim“ wird von keinem angezweifelt werden, wenn man es in dem Sinne nimmt, wie es gemeint ist, dass es sich eben nicht um einen Vergleich inkommensurabler Grössen handelt, sondern darum, wem das grösste Verdienst zuzuschreiben für die Konzipierung der Idee und ihre Verwirklichung. Also was soll diese Veröffentlichung gerade jetzt, wo kein besonderer Anlass zur Huldigung vorliegt? Der Vf. deutet das in einer Vorbemerkung an. Die Dinge sind aber zu bekannt, als dass man eine Indiscretion begeht, wenn man es ausspricht, dass J akob Rosenheim gegen den Vorwurf verteidigt werden soll, der aus dem engsten Kreise seiner Gesinnungsgenossen gegen ihn erhoben wird, er habe das grosse Erbe, das S.R Hirsch seiner Gemeinde hinter lassen habe, schmählich vertan. Und hierin ist nun eben dies Büchlein völlig unzureichend, dass es von diesen Kämpfen, die Jakob Rosenheim soviel Mühe und Sorge im Laufe des letzten Jahrzehnts gebracht haben, nichts berichtet. Schwab wollte nud konnte vielleicht das Beste, das er weiss, nicht sagen. Aber in der Zeitschrift, die völlig ausserhalb des Parteigetriebes steht, muss es ausgesprochen werden, dass das gewaltigste Ausmass von Arbeit, das von Jakob Rosenheizn geleistet wurde, nicht auf Rechnung des Kampfes mit den Gruppen kommt, die von vorneherein abseits von ihm standen, sondern in der Auseinandersetzung mit jenen intransigenten Kräften. Es ist ein tragisches Geschick, dass der Mann, der für die Verteidigung dessen, was diese Gegner als den eigentlichen und tiefsten Sinn des Judentums ansprechen, den Austrittsgedanken bei S. R. Hirsch, so viel getan, jetzt von der Anklage geschützt werden muss, an diesem Gedanken zum Verräter geworden zu sein. Den Lesern dieser Zeitschrift ist es bekannt, dass wir die Verkoppelung des Austrittsgedankens mit der Ideologie der Aguddas Jisroel nicht nur für sachlich falsch halten, weil es sich da um einen Widerspruch an sich handelt, sondern als grössten Hemmschuh ansehen für die Verbreitung der Idee der Aguddas Jisroel, die gerade jetzt in einer Zeit der allgemeinen Rückkehr zum alten Judentum die Welt hätte erobern können. Und es ist garnicht abznsehen, welch werbende Kraft eine Persönlichkeit, wie Rosenheim, bei der sich der Tiefe der Gedanken und faszinierenden Beredsamkeit eine solche Reinheit der Gesinnung gesellt, für den Zusammenschluss des gesamten gesetzestreuen Judentums entfalten könnte. Wir sind keinen Augenblick im Zweifel, wie S. R. Hirsch bei der welthistorischen Wende, deren Zeuge wir sind, entschieden hatte, dass es im wahren Geiste des konsequentesten aller Vorkämpfer des gesetzestreuen Judentums gelegen, die Inkonsequenz zu begehen, die Einheit in manchen Gemeinden zu verpönen und die Einheit des jüdischen thoratreuen Volkes zu suchen. Doch wohin sind wir geraten? ״Das ist ein weites Feld“ heisst es in Effi Briest, und ich habe meinen ״Rosenheim a oft genug gelesen, um zu wissen, dass hier mit ihm keine Einigung zu erzielen ist. Aber das darf Rosenheini nicht vergessen werden, dass er nach Kräften überall den Kampf zu entgiften versucht, dass er für die Einseitigkeiten und Vorstösse der völlig als Parteiführer Eingestellten nicht verantwörtlich zu machen ist, dass auch manches, was im ״Israelit“ steht, auf einem Kompromiss beruht, der mit manchen Mitarbeitern geschlossen werden muss, weil er diese letzten Endes doch Unentbehrlichen nicht missen kann. Diese Art Rosenheims besteht eben darin, dass er trotz alles Kampfes für die Prinzipien nicht den Herzenstakt verloren, der dem eigen ist, der im tiefsten Sinne des Wortes ein ירא חמא ist. Wenn ihm dies im Laufe seiner öffentliehen Wirksamkeit so oft von einer gewissen Seite zum Vorwurf gemacht worden ist (worauf Schwab anspielt, ist ja nur ein winziges Glied in einer langen Kette) so mag er sich damit trösten, dass er vor einer höheren Instanz bestehen wird. J. W. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemuth, Berlin Drück von H. ltzkowski, Berlin N 24, Auguststr. 69