Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 492 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2293027-2293033--07287-2300569- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
492 Fechner’s Seelenlehrs usw. ähnliches ist, wenn er auch naturgemäss entsprechend der gewaltigen Grösse, den unendlich grösseren Zwecken, denen er dient, der Erfassung und Einbeziehung alles Lebens und Webens in, auf und über der Erde, ein Organismus eigener Art ist. Wir sind, meint Fechner1), bei all dem noch auf keine Spur einer Erdseele gestossen. Das gleiche würde uns aber bei der sorgfältigsten Zergliederung des menschlichen Körpers begegnen. Es ist freilich leichter die Seele des Mitmenschen zu erkennen nach ihrem leiblichen Ausdruck, in dem wir nur das Spiegelbild unseres eigenen Gesichts sehen, als den Höheren anzuerkennen, wozu ein erweiterter Umblick von einem höheren Standpunkt gehört. Freilich ein höherer Geist, der nicht in einem menschlichen Körper und darum auch nicht in der Gewohnheit befangen wäre, Seele nur in menschlichen oder tierischen Körpern zu suchen, der würde garnicht auf den Gedanken kommen, den flüchtigen, wechselnden, vergänglichen Wesen, wie es Menschen und Tiere sind, eine Seele zuzuerkennen und sie der Erde, die ein 80 grosses, mächtiges, selbständiges, auf sich stehendes Ganze ist, die allen Wechsel des pflanzlichen, tierischen und menschlischen Wesens in sich trägt, immer Neues aus sich ins Leben ruft und sich stetig fortentwickelt, diesem gewaltigen Wesen eine Seele abzusprechen. Der Einwand, dass für die Seele als Träger ein Nerven- System vorauszusetzen ist, wurde schon einmal abgelehnt, da ein Fehlen von Nerven nichts anderes beweist, als dass eben eine menschliche oder tierische Seele fehlt. Die Erde aber hat ja in Wahrheit ein solches System. Es gehören ihr eben die Gehirne aller Menschen und Tiere an. Wären diese in einem Klumpen zusammengefasst, so könnte die Erde weniger vielseitige und weniger mannigfaltige Eindrücke aufnehmen. Und wenn die Freiheit unserer Gedanken mit einer Freiheit von Bewegungen in unserem Gehirn zusammenhängt, so wird auch die geistige Freiheit höherer Art an die Freiheit geknüpft ג) Zum folgenden Zend-Aresta I S. 110—143 Fischer a. a. 0. S. 51—68; 74—103.