Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 491 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Fechner’s Seelen!ehre usw. 491 Auch inbezug auf ihre Bewegung ist die Erde trotz ihrer scheinbaren Einförmigkeit vollkommener als der Mensch. Wie eine aus vielen Hebeln und Bädern zusammengesetzte Maschine durch den Zug eines Gewichtes in Gang erhalten wird, der einzelne Hebel aber der verschiedenartigsten Handhabung bedarf, um etwas zu leisten, so ist es mit der Erde und dem Menschenleib. Weil wir, was wir brauchen, um uns in Betrieb zu erhalten, nicht in uns selbst besitzen, so müssen wir hin- und herlaufen, um es zu suchen. Die Erde aber hat in sich soviel mehr Mittel der Bewegung, dass schon der blosse Gang um die Sonne ausreicht, um alle ihre Funktionen zu unterhalten. Deshalb genügt auch für sie die einfache Gestalt. Wie würde der Mensch aussehen, wenn er keine Beine, Arme, keinen Hals, keine Sinnesorgane hätte. Die Erde braucht das alles nicht. Sie bedarf keiner Beine, denn sie hat nach nichts ausser sich zu laufen, der Boden und die laufenden Beine sind ja in ihr; das gilt von den Armen, vom Halse, der sich nach nichts zu drehen braucht. Sie bedarf keiner Augen, sie findet ihren Weg ohne Augen; aber sie hat tausend Augen in sich, um die Wege in ihr zu suchen. Weil sie alles in sich hat, was wir erst draussen suchen, daher ihre in sich abgeschlossene, einfache Gestalt. Aber die Erde ist nicht ganz ohne jedes äussere Bedürfnis; sie ist darauf angewiesen, aus der Sonne Licht und Wärme zu schöpfen. Darum ist eben Gestalt und Bewegung der Erde darauf eingerichtet, dass diesem Bedürfnis in vollkommenster Weise genügt wird. Fechner malt diese wunderbare Zweckmässigkeit in Gestalt und Bewegung der Erde, wie sie für den Wechsel der Tages- und Jahreszeiten, der Meeres- und Luftströmungen für das ganze Leben auf der Erde von Bedeutung sind, weiter aus. Wir haben nur einen kleinen Teil dessen wiedergegeben, was Fechner dafür vorbringt, dass der Leib der Erde durchaus etwas dem Organismus des tierisch - menschlichen Lebens