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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 391

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 391 (sequence 85)
Language
German
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Mussarbücher 391 Wissende sind sie (die im Beth Hamidrasch)! Sie wissen vielleicht nicht, welchen Weg sie gehen und zu welchem Ziele — aber sie wissen, dass sie auf dem Wege sind und in sicherer Führung wandern. Und was rechts und links vom Wege geschieht, kümmert sie nicht, kaum dass sie einen Blick hinwerfen, kaum dass sie ausweichen, wenn ein grober Flegel, der den Weg nicht kennt, querfeldein stolpernd sie bedrängt. — Sie gehen geruhig ihren Weg. Ieh habe gewarnt! Man wird aus diesen Blättern nichts gelernt haben über den Weg und über die Wandernden, aber vielleicht geht es manchem wie mir, der ich etwas von dem Ungeheuren ahne, das dort im Osten steckt — von den Schätzen, die da ungehoben liegen — von jenem uns so unerreichbar und unfassbar scheinenden Glück, das jene besitzen, das wir vielleicht einmal besessen haben, und dessen einst alle Welt teilhaftig werden 8011. Dieses Glück heisst: Unabhängig sein von den Geschehnissen des Tages, zu wissen: es kann mir nichts geschehen ן Wir alle haben es an unserer Umwelt und an uns selbst in den letzten Jahren erlebt: — — Wir sind Kulturmenschen nur auf Widerruf und auf Zeit. Alle unsere Moral, unsere Religion, unser ganzer Sittenkodex behält nur unter gewissen Bedingungen Geltung. — Es gibt nichts Bleibendes, nichts Unabänderliches in uns und für uns.— Wir schwanken in jedem Wind — werden von jeder Strömung mitgerissen — nichts Ewiges ist da — nichts Heiliges — nichts, das stärker ist als alles Zeitliche I Wenn wir erkannt haben werden, was die Stärke jener Menschen im Osten — wenn wir erkannt haben werden, was im alten Judentum ruht: der ewige Geist, verkörpert in jener heiligen Rolle, in der Thora, dann werden wir wissen gleich jenen, das Ewige vom Vergänglichen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu scheiden. — Mit den Worten der Hawdoloh: zu unterscheiden zwischen Heiligem und Unheiligem, zwischen Licht und Finsternis ... Es hätte ein 80 schönes und so wertvolles Mussarbuch werden können, wenn der Vf. die Einheitlichkeit des Buches gewahrt, wenn er, rein künstlerisch betrachtet, Mass gehalten, wenn er der grosse Satiriker gewesen und dem innersten Kern seiner Tendenz gerecht geworden. Seine ״Warnung“ an der Spitze seines Buches und alle seine Verwahrungen sind ja nicht ernst zu nehmen. Er wollte dem Westjudentum einen Spiegel verhalten, er wollte an dem Beispiel des Ostjudentums zeigen, was ursprüngliche und echte Religiosität bedeutet, welche elementaren Kräfte es zu entfalten vermag. Das ist ihm auch gelungen. Selten sind schönere Worte über das rechte Beten gesagt worden, über ״die zehn Nichtstuer,* die wohl die meist-

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