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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 384

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 384 (sequence 78)
Language
German
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384 Mussarbücher als durch eine bestimmte Einstellung zu jüdisch -p olitischen Fragen, der steht fassungslos vor Ausführungen, die, statt die allgemein bekannten Schäden im eigenen Lager aufzudecken, die schwere Schuld auf im besten Falle sekundäre Fragen schiebt. Wir wiederholen: es ist schade. Denn das Buch könnte und sollte wirken. Sicher gibt es nicht in Wahrheit das Wesen des Judentums wieder. Dazu ist es zu einseitig ״rechtsgesetzlich״ orientiert. Es geht an vielen Problemen vorbei. Das wäre an sich, der Anlage des Buches nach, sein gutes Recht. Aber es schiebt schwere Probleme, mit denen der denkende Geist gerungen, mit spöttischem Achselzucken beiseite. Was soll einer, der die Probleme kennt, mit Sätzen anfangen: ״Individualethik? Sozialethik? Autonomie? Heteronomie? Wie klein, wie gering, wie schal selbst nehmen sich all die Surrogate aus, die ein in Ueberkultur, in Ueberzivilisation unermesslich weit von den Schöpfungsurgründen der Menschheit abgeschiedener Witz ersonnen hat, um menschlichem Handeln und menschlicher Yerantwortung gerecht zu werden .... Nicht Individualethik oder Sozialethik, sondern keines von beiden: Schöpfungsethik! Nicht Autonomie oder Heteronomie, sondern beides zugleich: ״Schöpfungsnomie!״ Und für den mit sich Ringenden, Denkenden ist doch dies Buch bestimmt. Oder soll der *schlichte Gläubige, der von derartigen Problemen nichts weiss, in seinem Glauben befestigt werden? Für den ist dies Buch doch wohl an sich kaum verständlich. Auch durch eine gewisse Eigenart der Sprache, in der die seitsamen Wortbildungen den Genuss an der oft bewundernswerten Gestaltungskraft des Vf.’s stören, wird das Verständnis erschwert, wenn auch anerkannt werden muss, dass durch stete Variierung der Hauptgedanken diese Wortbildungen dem Verständnis näher gebracht werden. Aber sie legen sich überall, wo man fortgerissen sein möchte und könnte, erkältend auf das Gefühl. Der Vf. ist neben Jakob Rosenheim wohl der Einzige, der die Ideenwelt S. R. Hirschs in ganz besonderem Masse so in sich aufgenommen und organisch verarbeitet hat, dass er ihr ein neuartiges Gepräge zu verleihen mag. Um so mehr ist es zu

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