Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur Charakteristik u3w. 121 Haupt häufst, ihn, wenn er auf dich trifft, ins Lehrhaus mitniminst1), ihn mit Torastudium unschädlich machst, dann wird Gott ihn dir zum Freunde machen2). Ist man aber der Sünde anheimgefallen, so braucht man darum wahrlich nicht zu verzweifeln. Unerschöpflich ist der Midrasch zu zeigen, wie Gott in Seiner Allgüte auch dem Sünder nahe ist Freut sich denn Gott über den Untergang des Frevlers8)? Gott empfindet vielmehr Schmerz seihst über den Tod dessen, der die schwerste Sünde begangen bat4). Er will ja nur, dass die Sünden, nicht aber dass die Sünder von der Erde schwinden5). Ueber die Frevler in Jsrael hat das Feuer des Gehinom keine Gewalt6). Ist doch auch immer] zu unterscheiden zwischen ganz ausgemachten, vollendeten Bösewichtern und ' 1. Kiää. 30 b. 2) Sukka 52 a. — Es kann nicht nachdrücklich genug hingewiesen werden auf ehs psychologische Verständnis, das sich hier bei den Midraschlehrern für den rechten Weg zeigt, den Leidenschaften beizukommen. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass die nnerbittliche Strenge, mit der man gegen die natürlichen Triebe anzukämpfen versuche sie wohl gewaltsam eine Zeit niederswingen kann, aber nur mit dem Erfolg, dass sie sich um 80 gewaltsamer einmal später Bahn brechen. Das geeignete Mittel hier ist allein, die auf gespeicherte Energie auf andere Betätigung zu lenken und sie dort zur Entladung־ zu bringen. Und der fernere Gedanke, der dem guten Erzieher geläufig ist: Strenge zu einer Zeit und Milde zu anderer Zeit und in bestimmten Einwirkungen Strenge mit Milde paaren, das alles ist an jenen citierten Stellen, die man im Zusammenhang nacklesen wolle, ausgesprochen. Die dortige Zusammenstellung des Jezer hara mit dem Weibe und dem Kinde ist nicht nur ein poetisch gelungenes Bild, sondern birgt auch einen sehr bedeutungsvollen Sinn. Und der Streit zwischen R. Chanina b. Papa und R. Simon in Gen. R. 22,6, ob man den Jezer hara ״wenn er seine Lust mit einem treiben will“ fortstossen oder erfreuen soll durch die Worte der Thora geht im letzten Gedanken zurück auf den bekannten Gegensatz zwischen Kant und Schiller in ihrer Ethik. Die Erfüllung der Pflicht, das Meiden des Bösen als einen gewaltsamen Sieg über den inneren Trieb 0d6r als das Resultat einer gewissermassen freundschaftlichen Auseinandersetzung mit ihm, in dem der böse Trieb sich dem guten aus naturgewordener Neigung anterordnet, autzufassen, das ist hier v^ie dort die Grundfrage. :־) Megillah 10b u. 0. ־*) M. Sanh. YI5. Chag. lob. ־•) Berachoth 61 b. 6} Erubin 19 a.