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Jeschurun · 1923-11-01 · Heft 11-12 (November 1923) · p. Seite 411

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 11-12 (November 1923)
Date
1923-11-01
Page
Seite 411 (sequence 23)
Language
German
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Zur politischen Geschichte usw. 411 anzunehmen, dass auch Jerusalem wieder im jüdischen Besitz war, und ‘mit der Möglichkeit ist zu rechnen, dass in dieser Zeit wieder Opfer dargebracht wurden. Die Erfolge der Juden schienen vollkommen zu sein. Das verhasste Römerjoeh war abgeschüttelt. Ein siegreicher eigner König, von vielen als der Messias betrachtet, fasste alle Kräfte zusammen. Andauernd strömten neue Massen aus der Diaspora herbei, ihre palästinensischen Brüder zu verstärken45). Vielleicht noch wesentlicher war die Idiife der in den orientalischen Provinzen zurückbleibenden Juden, wrelche durch ihre grosse Zahl und ihren Einfluss 1weiteren römischen Kriegsrüstungen binderlich sein konnten. Das römische Reich war ja keineswegs ein einheitlicher Nationalstaat. Wohl war den Römern in den westliehen Provinzen eine Latinisierung der dortigen, kulturell ihnen unterlegenen Bevölkerung gelungen. Ganz• anders war es aber im Osten. Hier hatte Rom nur militärisch und politisch gesiegt. Kulturell blieben ihnen die seit den Tagen des grossen Alexander herrschenden Hellenen und Hellenisten überlegen. Aber auch diese griechische Kultur, die durch herrliche Bauten den Städten und Ländern der Levante ihren Charakter aufzudrücken schien, war tatsächlich nur der Ausdruck des Geisteslebens der griechischrömischen Oberschicht. Die grosse Masse der Aegypter und Syrer war wohl keineswegs unbeeinflusst vom Hellentum, führte aber im wesentlichen ihr autcchthones Kulturleben weiter. Der unschätzbare Vorteil, den die Römerherrschaffc den Nationen der Provinzen bot, war der Frieden und die durch ihn geschützte geistige und wirtschaftliche Entwicklung. Der Genuss des Friedens liess den fremdstämmigen Provinzialen die rauhe Herrschaft Roms und die vielfache Ausbeutung durch die Statthalter erträglich erscheinen, während das wohlorganisierte Heer jede Aussicht, das römische Joch abzuschüttesn, unmöglich zu machen schien. Diese beiden Tatsachen ermöglichten es, dieses Riesenreich von der Themse bis zum Euphrat, von der Sahara bis zum Rhein und Main durch ein Heer von etwa 350000 Mann 45) Dio Cassiue 69. 13.

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