Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- Seite 400 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2293019-2293026--06445-2299733- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
400 Zur politischen Geschichte usw. Eifersucht und Misstrauen gegen diesen kriegstüchtigen Maurenfürsten veranlasst; Hadrian hatte den ihm als Feldherrn überlegenen ehemaligen Nebenbuhler im Verdacht, nach dem Kaiserthron zu streben. Doch geht man wohl nicht fehl, wenn man den Sturz des Lusius auch als eine Abkehr von der Politik der Judenbedrückung betrachtet, wie sie in den letzten Jahren Trajans geherrscht hatte, und zu deren schlimmsten Vollstreckern Quietus gehört hatte. Es musste Hadrian viel daran liegen, den Beweis zu erbringen, dass die Beruhigung des Orients auf staatsmännische Weise leichter und sicherer war als durch militärische Gewaltpolitik5). Der alte Hass der in den orientalischen Provinzen so zahlreichen Juden sollte durch ein grossartiges Entgegenkommen besiegt werden: der Kaiser beschliesst den Wiederaufbau des Tempels6). Die noch immer brennende Wunde, die das römische Schwert dem jüdischen Volke geschlagen hatte, sollte durch Staatsweisheit geheilt werden. Das überschwängliche Lob der jüdischen Sibylle7) gibt die dankbare Gesinnung zumindest eines Teiles der Juden für den erhofften Friedenskaiser wieder. Umso grösser musste die Enttäuschung und der aus ihr erwachsende Hass sein, als der Kaiser nach einigen Jahren die von ihm erweckten Hoffnungen zerstörte8). Der Umschwung in Hadrians Judenpolitik bedarf der Begründung. Die Veranlassung scheint eine doppelte gewesen zu sein: Im Jahre 123 ß) 8. a. Derenbourg, Essai 412. 6) Beresehit rabba 64. Zu dem Befehl an Akylas aus Synope, die Stadt, aber nicht den Tempel aufzubauen s. Epiphanios, De pond et mess 14; vielleicht sollte nach diesem Bericht der Tempelbau den Juden allein überlassen bleiben. Doch kann der Befehl auch in ungünstigem Sinn aufzufassen sein und sich auf die Erbauung als heidnische Stadt beziehen. Ueber die Nichtidentifizierung dieses angeblichen Schwiegervaters Hadrian sfmit den Proselyten Akylas s. Grä-tz 4IV S. 409; 8• a. Salzer Magazin f. d. W. d. J. III 129. Za weiteren Andeutungen auf den Tempelbau im Barnabasbrief vgl. Schürer 3—4! 782 f. 7) Sib. V 46—50 (Vs. 51 scheint ein späterer Zusatz zu sein) 8. a. die Schilderung des neu erstandenen Glückes in Judäa und der Wiederaufnahme des Opferdienstes nach Abschluss des Partherkrieges (247—86). 81י Ber. r. 64.