Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- – (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2293019-2293024--06311-2299597- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
342 Jüdische Grabmalkunst in Osteuropa Der Name Miriam erinnert an die Schwester von Aron und Moses, die nach dem Durchzug durchs Schilfmeer den Reigentanz der Frauen eröffnete und, mit der Pauke in der Hand, ihnen singend voranzog. Darum ist der Stein einer Frau Miriam mit Pauken und anderen Musikinstrumenten geschmückt (Abb. 37). Damit aber hat sich hier der Künstler nicht begnügt. In das über die Instrumente halbkreisförmig gezogene Band hat er eine Inschrift hineingezeichnet, die dem II. Buch Mos. 15, 20 entnommen ist: רתקה מרים את התוף בידה ,,Und Miriam nahm die Pauke in die Hand.“ Dabei aber hat er den Text umgebogen, und, ein Wortspiel bildend, setzt er für התוף ,,die Pauke“ הטוב ,,das Gute“, so daß er nun eigentlich und auf die Tote anspielend, sagt: ,,Miriam nahm das Glück mit sich fort.“ Der Brauch der Bild- Setzung namensbezüglicher Bibelstellen hat sich in anderen Fällen zu der allgemeinen Tendenz erweitert, Schriftverse schlechthin, auch solche, die in keinerlei Beziehung zum Namen stehen, anzudeuten oder zu illustrieren mit der Absicht, den Gedanken oder die Stimmung auszulösen, die in dem betreffenden Verse liegt. Abb. 37. Warschau.