Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüdische Grabmalkunst in Osteuropa 319 ein so wahres und ergreifendes Bild von der Naturgebundenheit der Sterblichen, ein so rührendes Lied von der Vergänglichkeit alles Irdischen, daß Kunst es kaum besser dichten könnte (Abb. 2). Und wenn gar, was recht häufig der Fall ist, der Friedhof in einen Wald hineingebettet ist (Abb. 3), in dessen Stille jeder Laut versinkt, in dessen Abgeschlossenheit der Blick sich fängt und aus dessen schweigender Tiefe die Versonnenheit emporsteigt (Abb. 4), dann kommt zu dem Bewußtsein der Erdgebundenheit das Gefühl des Weltentrücktseins, fließt aus Abb. 2. Grojec. dieser abgeschiedenen Einsamkeit eine Stimmung in die Seele, die, je nach Temperament, die Melancholie des Weltschmerzes oder die Ruhe der inneren Ausgeglichenheit ist. Haben die Juden lediglich aus Freude an dieser Stimmung ihre Waldfriedhöfe angelegt, oder weil sie in deren abgelegener Heimlichkeit ihre Toten sicherer geborgen wußten vor dem Uebelwollen einer bösgesinnten Umgebung? Es fällt auf, daß die Friedhöfe sich besonders häufig auf Anhöhen befinden. Wo die topographischen Verhältnisse es 5*