Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1923-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1923) · page 66

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1923)
Date
1923-07-01
Page
– (sequence 66)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2293019-2293024--06287-2299573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

318 Jüdische Grabmalkunst in Osteuropa Schon die Gesamtanlage des Friedhofs zeigt ein eigenartiges Bild. Da*) ist keine Spur von Regel und sogenannter Kultur. Keines Gärtners ordnende Hand hat je hier gewaltet, und keine Schnur hat die Linie gezogen. Wild und wirr wuchert alles durcheinander, und Gräser und Kräuter, Gesträuch und Gebäum, das kriecht und rankt über Weg und Steg, schießt und wuchert über Gräber und Hügel. Und die Steine! Bald wanken sie wie hilflose Greise oder kauern verkümmert und verwittert auf ihrem Platz, bald sind sie tief in den Boden Abb. 1. Slonim. gesunken, als hätte die Erde, unersättlich, an den Toten nicht genug und wollte auch deren letztes Erinnerungszeichen in ihren Schoß hinabziehen. Das alles, diese gewollte Wildheit, diese betonte Ungepflegtheit der Gräber, eingegeben offenbar von der Abneigung gegen jede Form von Totenkultus, dies alles ist so schwer und so herb, so ernst und so düster (Abb. 1), ) Eine Ausnahme bilden die Friedhöfe der Großstädte, in die schon westeuropäischer Einfluß eingedrungen ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.