Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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urun 10. Jahrgang 5683 אב — אלול Juli—August 1923• Heft 7/8 Die grosse Versammlung. Als Messina und mit ihr Hunderttausende von Menschen in wenigen Minuten vom Erdboden verschwand, da zeigte sich als Massstab der GottentfremduDg der neueren Zeit, dass dies Ereignis an dem religiösen Empfinden der Zeitgenossen fast spurlos vorüberging. Während das Erdbeben von Lissabon, das noch nicht den vierten Teil der Opfer gekostet, Jahrzehnte hindurch in der Erregung derer, die es erlebt, nachzitterte und eine Fülle von Erörterungen auslöste über das Problem der Theodicee, wurde hier keine einzige weittragende Stimme laut, die die Menschheit aus ihrer materialistischen Jagd nach den Gütern und Genüssen dieser Welt herauszureissen suchte, keine Stimme, die auf den Finger Gottes hinwies, keine, die es der Mühe wert hielt, den religiösen Besitzstand und sei es mit Titanentrotz und bohrendem Zweifel nachzuprüfen. Die göttliche Vorsehung und ihr Walten war so ausserhalb des Gesichts- Punktes der geistigen Führer getreten, dass sie überhaupt nicht mehr grübelndes Denken, sich aufbäumende Erregung lohnte. Ja, die Menschheit war reif geworden für das Weltgericht. Und als nun dies Weltgericht hereinbrach, furchtbarer als es die ausschweifendste Phantasie hätte ausmalen können, da sehen wir das gleiche Schauspiel. Eine Weltenwende schaurigster Art, Millionen und Abermillionen dahingesunken, gewaltige Reiche gestürzt, das Schwert und die Seuche und der Hunger wütend, aber keiner ist, der sich’s zu Herzen nimmt. Die Lüge, die noch mitten im Ringen der Völker ein wenig 1