Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherbesprechungen 201 einer eingehenden philologischen Erklärung bedarf. Früh bemerkt wurde ein schwerwiegender inhaltreicher Unterschied zwischen den Texten. Die spanische Version scheint eine schriftliche Redaktion für Mischna und Talmud anzunehmen, die französische Version setzt die mündliche Ueberlieferung der redigierten Mischna und des geordneten Talmud voraus. Es ist dies im Uebrigen die herrschende Meinung in der rabbinischen Welt der beiden Länder. Die Frage ist heute noch ungelöst und genau so ein Streitpunkt in der Wissenschaft des Judentums, die noch heute hierin gespalten ist. Diese ganze Problematik und alle feinen Unterschiede hat Lewin in einer reichen Einleitung umfassend auseinandergesetzt und das Material vollständig ausgebreitet. Ganz genau beschreibt er hier sechs Drucke und sieben Manuskripte. Die ersten Drucke hatten je ein Manuskript zur Grundlage und präsentieren eine Version. Schon da stand man vor einem Rätsel. Die Konfusion wurde nicht geringer als spätere Ausgaben verständnislos die Versionen vermischten und hierdurch arge Verwirrung anrichteten. Lewin ordnet die beiden Text-Gruppen nach allen Regeln der kritischen Methode, nach gemeinsamen Merkmalen. Als Ergebnis aller Charakteristika sondert er die beiden Versionen, druckt sie nebeneinander in zwei Columnen, legt einen Text zu Grunde und notiert bei jeder Version sämtliche Varianten dieser Manuskriptengruppe. Die Vollständigkeit des Handschriftenmaterial lässt nichts zu wünschen übrig. Ausserdem versieht er das Sendschreiben mit fortlaufenden, wenn auch nicht ganz ausreichenden Bemerkungen historischer und philologischer Natur. Zum Schluss fügt er noch einige Responsen hinzu, die mit dem Werke in engem Zusammenhänge stehen. Die Edition Lewins stellt beinah den ersten hebräischen historischen Text dar, der in einer methodisch gerechten, wissenschaftlich einwandfreien Bearbeitung vorliegt (neben Epsteins Ausgabe des Hai Komentars). Es ist zu bedauern, dass der Verfasser manches unterlassen hat, was hätte geschehen können. Er hat die Manuskripte gruppiert, aber ihr Verhältnis untereinander nicht untersucht; er hat die Varianten verzeichnet und nach Versionen geordnet aber nicht nach andern kritischen Gesichtspunkten eingeteilt. Er hat die Frage nicht untersucht, inwieweit gehen die Varianten jeder Version auf eine ursprüngliche Handschrift zurück und inwiefern sind die Varianten erworbene Charakteristika, die aus der Entwicklungssphäre stammen. Ist das französische Ursprungsmanuskript über Palästina nach Frankreich oder Italien gekommen, oder aus Spanien. Ebenso hat der Verfasser darauf verzichtet, die ursprüngliche ideale Gestalt des Scherira-Briefes zu ermittein und scheint zur Frage, welcher Version der Vorzug gebührt, gar keine Stellung nehmen zu wollen. An verschiedenen Stellen scheint er sich sogar hierin zu widersprech en: einmal sieht er die französische