Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1923-03-01 · Heft 3-4 (März 1923) · page 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1923)
Issue
Heft 3-4 (März 1923)
Date
1923-03-01
Page
– (sequence 84)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2292929-2293019-2293022--06147-2299431
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

180 Bücherbesprechungen des Kampfes gegen engherzige wissenschaftliche Dogmatik und auch dem von der religiösen Tradition Kommenden ein trefflicher Wegweiser. Dr. 0. Wolfsberg. Münz, J.: Die jüdischen Aerzte im Mittelalter. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Mittelalters. Frankfurt a M., J. Kauffmann 1922. In 10 Kapiteln gibt der Yerfasser ein anschauliches Bild von den jüdischen Aerzten, ihrer praktischen und wissenschaftlichen Tätigkeit. Ohne restlose Vollständigkeit anzustreben, übersieht der Autor doch keinen Namen von Bedeutung und hebt an jedem das Wesentliche hervor. So ist sein Buch eine angenehme Lektüre nicht nur für den, dessen Gebiet die Geschichte der Medizin ist, sondern für jeden an der Geschichte unseres Volkes Interessierten. — Viele werden mit Ueberraschung sehen, dass viele jüdischen Geistesheroen von Beruf Mediziner waren; neben Maimonides und Nachmanides sind auch Jehuda Halevi, Juda Abarbanell, der Yerfasser des ״Ikkarim“ u. a. Aerzte gewesen. — Die Wertschätzung, die ihnen von Fürsten und Geistliehen zuteil wurde, wurde mit vielen Beispielen belegt. Kein Land, in dem jüdische Aerzte nicht Ansehen genossen. Wichtiger ist die wissenschaftliche Bedeutung der jüdischen Aerzte. Nicht wenige sind Autoren von Originalwerken, oft arabisch oder lateinisch geschrieben: Rambam hat ein sehr geschätztes Werk über Güte und die Therapie der Vergiftungen geschrieben; seine Autorität war so gross, dass er Galenus vielfach Fehler nach weisen darf. Nicht wenige schrieben über Diätetik; auch über den Puls gibt es Publikationen. Noch berühmter sind jüdische Aerzte als Uebersetzer. Sowohl ins Hebräische wie in andere Sprachen haben sie medizinische und andere (philosophische etc.) Werke übertragen. Die Nennung der Familie Tibbon genügt hier. Ueber die hochstehende Ethik der Juden in der Ausübung ihres Berufs und ihren schweren, oft erniedrigenden Kampf mit der katholischen Kirche, die ihnen den Beruf unmöglich machen wollte, findet sich viel Gutes. — Für eine künftige N euauflage wird der Mediziner eine etwas tiefer dringende Bearbeitung des Kapitels über die wissenschaftlichen Leistungen der jüd. Aerzte wünschen. Sonst aber darf man das Buch als einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der jüdischen Aerzte begrüssen nnd dem Verfasser für seine gediegene Arbeit danken. __ W olfsberg. Notiz. Im Jeschurun V, ISO hat Prof. Hoffmann זצ״ל nachgewiesen, dass das Wort קיוב in Sifre Deutronomium die Bedeutung ״Prediger‘1 oder ״Hymnendichter“ habe. Er verwies dabei aufBubePs Pesikta, Toi. 179a. Es ist interessant, dass an letzterer Stelle die Tosafoth (18 חגיגה a s. v. ורגיי) die Lesart haben תנא קרא קרובץ ופייטן, ähnlich רא״ש zu ברכות V. 21 הנא קרובץ דרשן ופייטן. Vergleiche auch Davidson, Mahzor Yannai, p.XVII. Anmerkung. Diese Bedeutung von קרב liegt auch der bekannten Deutung Rabbi Jobanan’s von Exodus 14.20 in Megillah 10 zu Grunde. Es heisst dort: אמד רבי יוחנן מאי ד כתיב ולא קיב זה אל זה בל הלייה בקשו ב לאבי השרת לומר שירה אמר הקב״ה מעשי ידי טובעין בים ואתם אמרים שירד,. Rabbi Jokanan erklärt also den Vers: Die Engel sangen einander die ganze Nacht sich zu. (Für das nächtliche Singen der Engel vgl. 12 הגיגהb כתות של מלאני השרת שאומרות שירה בלילה). Alexander Marx. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohl gern uth, Berlin Druck von H. ltzkowski, Berlin, Auguststr. 69

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.