Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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7S Israel Zangwill als Dramatiker ner kirchlichen Trauung zu amtieren, er weigert sich, er kann vor seinem besten Freunde nicht heucheln, ihn nicht auf das Sakrament und die Unverbrüchlickeit der Ehe verpflichten, wo er im Herzen sich schon längst von der christlichen Kirche los־ gesagt hat. Durch seine wissenschaftlichen Forschungen auf .dem Gebiete der Mikroskopie und Bakteriologie hat er die vita activa statt der vita contemplativa, das lebendige For־ sehen in der Natur, ihre Grösse und ihre Geissein kennen gelernt, er verachtet jene Menschen, die nach einer Erlösung durch überirdischen Einfluss ausschauen und von einer Gnadenwähl und unverdaulichen Glaubenspillen ihr Heil erhoffen. Bettler der Religion! Allzulang habt ihr euch in einer tropenheissen Theologie verfangen, die euch entnervt und entmannt hat! Ihr Gläubigen sprecht von Pest, Krebs, Skrophulose, Krieg und andere Menschheitsgeissein, als wären sie von der Vorsehung eigens eingesetzte Gelegenheiten zu Bet- und Buss- Übungen, sprecht von Ungerechtigkeit, Ungleichheit unter den Menschen als von unabänderlichen Notwendigkeiten. Und doch hätten wir schon vor Jahrhunderten gegen manche Uebel der Menschheit Abhilfe schaffen können, wenn wir nicht ewig gen Himmel geblickt und auf das Eingreifen irgendeines Riesengenius in Wolkenhöhe gewartet hätten. Nein! Lasst uns aufräumen mit Selbstheuchelei und mit falschen Idolen, der Lohn des Lebens ist das Leben selbst, streben wir nach wissenschaftlicher Erforschung des Lebens, nach seinen Naturgesetzen, nach Erkenntnissen und Bedingungen des Lebens, suchen wir nach Beseitigung menschlichen Elends und Uebels in rationeller Weise, lasst uns eine Diesseitsreligion gründen! Lasst uns das Diesseitsleben verschönern durch Musik, Schönheit, Liebe, Ethik, lasst uns die grossen Forscher und Erfinder, die einzig wahren Priester und Förderer der Menschheit, anbeten und als unsterblich verehren, eine dogmenfreie, zeremonienarme Kirche gründen, wo die Musik als höchste Göttin gepflegt wird durch Chöre, Oratorien, Umzüge — — —. Der Geistliche Stephen Trame scheut nicht davor zurück, die Konsequenzen seiner Apostasien auf sich zu nehmen: Er