Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1922)
- Date
- 1922-11-01
- Page
- Seite 429 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Eine Weihnachtsfeier 429 ״Die werden schon nicht verrückt werden sagte der Kommandant. — Ich — ich werd’s ihnen zeigen, ich werd’ sie lehren — bindet sie gut!“ Man band uns. Wir sträubten uns nicht. Der Riemen und der dünne Strick zerschnitten mir die Hände. So standen wir beide gebunden, die Hände nach hinten. Ich fühlte keinen Schmerz, auch keine Furcht — nur heiss war mir, glühend heiss. Der Offizier trat zu meinem ungarischen Kameraden: — Du solltest dich schämen! — Wirklich schämen! Du willst doch ein Christ sein? Der ÜDgar knirschte mit den Zähnen, richtete sich hoch auf und sprach mit fester Stimme voller Hohn : — Du irrst! — Ich bin kein Christ! — Auch ich bin Jude! Tu’ nur mit mir das, was du meinem Vorgesetzten tun willst! Auch ich bin Jude! Ich blickte ihn an — und wenn ich nicht sicher gewusst hätte, dass er kein Jude war, so würde ich tatsächlich gedacht haben, er sei ein Jude. Ich wollte ihm ein Wort sagen — die Kraft versagte mir. Ich wollte ihn umarmen — meine Hände waren gebunden . . . — Nun, wenn du ein Jude bist, — sagte zu ihm der Kommandant, — nun denn! ... so w ollen wir dich wie einen Juden richten, wir wollen dich wie sie richten! — sprach er und seine Augen brannten wie Flammen der Hölle. Dann wandte er sich zu den Soldaten und rief: Los Kinder, schaufelt das Grab! Einige gingen hinaus. Ein Offizier stand plötzlich auf und sagte: — Lass sie, die Hunde! Zum Teufel mit ihnen! Erschiess sie, jag ihnen eine Kugel durch den Kopf! Genug! Ich habe sie schon satt . . . — Was?! — wütete der Kommandant. — Was? Ihnen eine Kugel geben?! Und dies Blut?! — er zeigte auf seinen Kopf. — Und dies Blut, was 8011 damit werden?! Nein, Lieber, du irrst; ich werde sie begraben — lebendig — — Es war still. Man räumte ab und trank : ohne ein Wort