Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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9. Jahrgang 5682 סיון — הסוו Mai—Juni 1922 Heft 5/6 Die Erwählung Israels*). Wir haben anlässlich des vorigen Schowuausfestes das Problern der Erwählung Israels behandelt und zwar nach den beiden Gesichtspunkten: Wie verträgt sich der universalistische monotheistisehe Gedanke von dem Gott der gesamten Menschheit mit der Erwählung eines einzigen Volkes von besonderen ja einzigartigen Rechten und Pflichten. Und wie können wir das exceptionelle Leiden Israels in Einklang bringen mit der Vorstellung einer Auserwähltheit, mit der wir uns doch eine Art Bevorzugung verknüpft denken. Wir haben die Antwort näher beleuchtet, die un% der einzige der jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters, der sich mit diesem Problem eingehend beschäftigt hat, Jehuda Halevi, gegeben, und sie als eine befriedigende erkannt. Sie lautete für die eine Seite des Problems: Israel kann nicht im eigentlichen Sinne des Wortes als auserwählt gelten, als wäre es willkürlich aus der Reihe der Völker gewählt; die Aufgaben, die Israel erfüllen sollte, wurden der Gesamtmenschheit gestellt. Erst als die Menschheit als Ganzes an dieser Aufgabe scheiterte, musste eine kleinere Gruppe, ein besonderes Volk dafür gewonnen werden. Auch diese Gruppe ist nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt willkürlich herausgegriffen worden, sondern bot sich gewissermassen durch eine Auslese der Gottheit gegenüber als Träger dar. Nach dem Naturgesetz, an das auch Gott durch die Schöpfung gebunden ist, dass im Wechsel der Geschlechter bestimmte Eigenschaften *) Vgl. Jeschurun VIII, S. 89—98