Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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58 Die Religionsphüosophie Hermann Cohen’s systematischen Philosophi e“. 3'2) Wir wagen Mer die Behauptung, dass es aus der Logik des Gedankens zu erklären ist, wenn Hermann Cohen die Darstellung des vierten Teiles seines Systems, die Psychologie, die die Einheit de& Kulturbewusstseins repräsentieren sollte, nicht ausfübrte, uns dagegen das Werk über die Religion der Vernunft hinterliess: wagen die Behauptung, dass die Religion in gewissem Sinnediese Einheitsfunktion übernimmt, wagen die Behauptung, obwohl wir wissen, dass Cohen selbst an einer Stelle einer solchen Auffassung Vorbeugen will. Doch das gehört in anderen Zusammenhang. Jedenfalls gewinnt von hieraus die Religion eine ganz neue Deutung und Bedeutung für die Systematik der Philosophie. Das im religiösen Erlebnis realisierte Individuum greift hinüber in alle 3 Bewmsstseinsarten, haucht ihnen Leben ein und einen Abglanz von Ewigkeit. Die transcendentale Methodik selbst hat den Grenzbegriff des religiösen Erlebnisses geschaffen, der eigentlich das rationelle Schema durchbricht, das Fenster aufstösst zur Unendlichkeit, ohne aber den Systembau zu erschüttern. Daher kann Cohen nun umgekehrt wieder die Religion ״als eine allgemeine Funktion des Bewusstseins״ dem System eingliedero, der kritischen Methode unterstellen, vor den Richter- Stuhl der ״ratio״ laden. Daher kann er eine Religion der Vernunft entwickeln, und damit ebenso Intuition als Quelle der Religion abweisen, wie die ״geschichtliche Natürlichkeit“ 33), kann ihr Allgemeinheit und Gesetzlichkeit geben. Dieser Allgemeinheit der Religion der Vernunft, die ja nicht auf ein Volk oder ein Literaturerzeugnis beschränkt sein kann, scheint zu widersprechen, dass Cohen sie ״aus den Quellen des Judentums״ demonstriert. Aber er will nicht andere Quellen ausschaiten, glaubt nur, dass in der jüdischen Literatur die Urquelle fiiesst, und gibt ihr deshalb den Vorzug. So entwickelt er alle Begriffe der jüdischen 32) ib <L p. 427. /ssj ibid. p. 7.