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Jeschurun · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 46 (sequence 46)
Language
German
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46 Mar Samuel Verstandesgrösse, wie Samuel, jeden Aberglauben, dem seine Zeit ergeben war. verwerfen musste. Wir haben schon oben gesehen, dass er die Nichtigkeit der Sterndeuterei erkannte und vor der Uebung derselben warnte. Aber auch den Träumen, die man zu seiner Zeit für göttliche Offenbarungen der Zukunft hielt, sprach er jedwede Bedeutung ab261. Dies bewies er auch seinem königlichen Freunde Schabur auf folgende Weise. Schabur, der besonders viel auf Träume gab, fragte einmal Samuel, ob er, der so weise, auch im Stande sei, ihm vorherzusagen, was für einen Traum er in der folgenden Nacht haben werde? ״Du wirst in deinem Traume sehen, 0 König״, erwiderte Samuel^ ״dass die Römer dich gefangen nehmen und zu schwerer Arbeit verurteilen“. Dies beunruhigte den ganzen Tag des Königs Gedanken, und die Folge hiervon war, dass er auch wirklich diesen Traum hatte. Er wurde dadurch von der Nichtigkeit des Traumglaubens überzeugt, da er einsah, dass die Träume nur von den Gedanken, mit denen man am Tage sich beschäftigt, herrühren 262. Der reine und geläuterte Glaube war es auch, der Samuel die Ueberzeugung verschaffte, dass es nicht Gottes Wille sei, dass der Mensch sich kasteie, allen Freuden dieser Welt entsage und ein ascetisches Leben führe, sondern dass er vielmehr jeden erlaubten Genuss sich vergönne. Demgemäss lehrte er auch : ״Wer sich Fasten auferlegt, ist ein Sünder; wer Gelübde auf sich nimmt, wird ein Frevler genannt; und wer sich die nötige Nahrung entzieht, dem wird sie auch vom Himmel vorenthalten werden; denn wie sollte Gott sich seiner erbarmen, da er selbst kein Mitleid fühlt?263 Diese Welt ist eine von Gott den Menschen bereitete Tafel, von der Jeder, so viel als erlaubt ist, sich nehme, bevor er von seinem himmlischen Vater in eine andere Welt abberufen wird“264. Gerade darin besteht nach Samuel die höchste Tugend, mitten in den Freuden dieser Welt zu leben und dennoch genau dem göttlichen Willen nachzukommen, sich keinen Genuss zu versagen, aber stets dessen eingedenk zu sein, dass man Gottes Eigentum geniesse, welches, wie heiliges Gut, erst durch ein Lösegeld, den Dank an

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