Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2293011-2293013--05406-2298689
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mar Samuel 21 abgelehnt hatte105. Während Hab nach dem ungefähr 22 Ferseng von Nebardea entfernten Mata-Mechassia, auch Sura genannt16*, sich begab, um in dieser Gegend, wo die jüdischen Gemeinden in grösster Unwissenheit lebten, durch Gründung einer Hochschule Wissen und Geistesbildung zu verbreiten, erlangte'die Sidra zu Nehardea unter dem Rectorate Samuels einen neuen Glanz und neue Blüte, und bald standen die Hochschulen Rab’s und Samuels in und ausserhalb Babyloniens in höchstem Ansehen. Die vorzüglichste Pflege fand in diesen Schulen die Gesetzeslehre, wobei sich Rab und Samuel der Mischna R. Juda’s als Leitfaden zu ihren Vorträgen bedienten. Doch beschränkten sie sich nicht darauf, den Gesetzesinhalt der Mischna einfach zu lehren; ihre Lehre war viel eindringender und umfassender und darf nicht als blosse Reproduktion älterer Lehren angesehen werden. Die Halachothsammlung des R. Juda war nicht ein abschliessender Codex, der den lebendigen Fluss der Ueberlieferung auf einmal zum Stillstände und zur Erstarrung zu bringen beabsichtigte; sondern sie wollte nur der sich weiter fortpflanzenden Traditionslehre eine einheitliche Grundlage darbieten und den Stoff aufbewahren und vor Vergessenheit sichern. Dem Studium der Halachoth wurde aber selbst von R. Juda ha-Nasi, dem Mischna-Redakteur, nur ein untergeordneter Wert beigemessen 107. Besonders aber wurde von Samuel der Grundsatz aufgestellt, dass man weder aus den Halachoth noch aus den Zusätzen (Tosiphta’s) das Gesetz lehren dürfe, sondern nur aus derjenigen Erklärung und Erläuterung der Mischna, welche Talmud genannt wird108. Ausserdem aber fand man in der Mischna, und selbst wenn man die verschiedenen Baraltha- Sammlungen hinzufügte, nicht alle im Leben sich darbietenden Fälle behandelt. Es wurden täglich religionsgesetzliche Fragen zur Entscheidung vorgelegt, für welche neue Halachoth geschaffen werden mussten. Die Haupttätigkeit Samuels sowie der andern Emorafm in der Gesetzeslehre war also nach zwei Seiten hin gerichtet: sie kommentierten und erläuterten die ältem Halachoth und schufen neue Gesetze für Fälle, über die jene nicht entschieden. Betrachten wir Samuels Leistungen auf diesem Gebiete

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.