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Jeschurun · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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David Hoffmann & Jeschiwah in Eisenstadt eröffnet© dem Jüngling einen neuen Ausblick durch die Einführung in die klassische Welt des Altertums und die modernen Disziplinen. In der Art des Lernens stand Hildesheimer aber selbst — bei aller Selbständigkeit — etwas im Banne des ungarischen Pilpul. Hoffmann bekannte, dass er neue Gesichtspunkte gewann, als er in den Kreis des Würzburger Raw geriet. Es war eine Art des Lernens, in der die endgültige und praktische Halacha in den Mittelpunkt gestellt wurde, eine Gründlichkeit und Akribie in der Kleinarbeit, die eine glückliche Ergänzung der ihm bisher gewohnten Methode war. Aus all den Quellen, aus denen er geschöpft, erwuchs dann die besondere Eigenart Hoffmann’s, die ihn befähigte, talmudische Fragen mit pilpulistisehem Scharfsinn und zugleich kritisch und mit Heranziehung aller bereits gegebenen Antworten so gründlich und exakt zu behandeln, dass seine Lösung sich dem kundigen Beurteiler oft als die einzig mögliche ergibt. Es soll aber unterstrichen werden, dass Hoffmann den Pilpul nicht etwa unterschätzte. Wohl erzählte er mit Vorliebe von einer Reise im späteren Alter nach Ungarn, wo er in seinem Heimatsorte über ein talmudisches Thema vor bedeutenden Rabbinern einen Pilpul hielt, der das Entzücken der Anwesenden war, um am folgenden Tage das gleiche Thema kritisch behandelnd ihnen zu erklären, dass er hier der Wahrheit näher gekommen zu sein glaube♦ Doch hielt er noch viel weniger von den Kritikern, die jene Jeschiwastadien nicht durchlaufen und den echten und rechten Pilpul nicht zu handhaben wussten. Wie hier die Forschungsmethoden der neueren Zeit für Hoffmann ein Hilfsmittel wurden, um noch tiefer zu schürfen, als es auf dem Wege des Pilpul allein möglich war, so betrachtete er ganz im allgemeinen die verschiedenen Wissenschaftliehen Disziplinen als Stufen, die überall zu einer vollkommeneren Erkenntnis der Thora führten. Eine Wahrheit, die unsere jüdischen Religionsphilosophen und Exegeten ja oft genug ausgesprochen, die aber in der Aufklärungszeit und von manchen Vertretern der ״Jüdischen Wissenschaft* des neunzehnten Jahrhunderts missbraucht und darum in Misskredit gekommen war.

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