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Jeschurun · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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David Hoffmann 2 scheint der Streit schon um dessentwillen verfehlt, weil es eine solche Idealnorm, die durch den Einzelnen verkörpert wird, überhaupt nicht gibt, wir uns nur verstellen können, dass das Judentum durch eine Gesamtheit von Gestalten, die, ein jeder einen anderen seiner Wesenszüge besonders markant hervortreten lassen, in idealer Weise uns vor Augen tritt. Es möchte sonst schwer fallen, den Normaltypus des Ideals aufzustellen: Ist’s Jesajah oder der Brisker Raw, ist’s Maimonides öder der Beseht? Aber es genügt für die Antithese durchaus: Ist’s Samson Raphael Hirsch oder der Brisker Raw? Aber die psychologische Erklärung für diesen Streit liegt in einem anderen Moment. Nicht so sehr die Vereinigung von Thorawissen und fremder Kultur erregte den Widerspruch, als die Wahrnehmung, dass die Kenntnis der Thora und die völlige Hingabe an ihre Lehren unter der Beschäftigung mit den fremden Wissensgebieten litt. Darum haben wobl immer Zeitalter miteinander gewechselt, in denen die Vertreter des einen oder des anderen Prinzips die Vorherrschaft hatten, weil bald die Folgen der Einseitigkeit, bald die des Versuchs der Harmonisierung sich geltend machten und eine Rückwirkung auslösten, nie aber sind die Grossen, die beides: eine überragende Thorakenntnis und die Bildung ihrer Zeit in sich vereinigten, ohne dauernde Anerkennung geblieben. Maimonides ist hier nur der alle übertreffende Vertreter dieser Grossen, aber immer nur ein Typ. Freilich nicht Thora und Wissenschaft allein waren gedanklich zu vereinen. Diese Vereinigung musste getragen werden von einer Persönlichkeit, die Jude war, Jude in der religiösen Inbrunst des Füblens, Jude in der Hingabe des Glaubens an die Verbindlichkeit und in der treuen Erfüllung des Gesetzes, Jude in der allumfassenden Liebe zu ihrem Volke. Diesen Typ bat die Blütezeit unserer Geschichte in der Diaspora in vielen ragenden Gestalten verkörpert. Wir bewundern die Männer, die das profane Wissen ihrer Zeit sich zu eigen gemacht, ihre wissenschaftliche Methode beherrschten und zugleich Heroen talmudischer Forschung waren, die Staatsmänner, Aerzte, Religionsphilosophen, die der Stolz Israels in

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