Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1921-11-01 · Heft 11-12 (November 1921) · p. Seite 485

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 11-12 (November 1921)
Date
1921-11-01
Page
Seite 485 (sequence 67)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2292929-2293004-2293010--05330-2298613
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Philosophie des Organischen 48h uns. — Bei diesen Fällen spielen chemische Agentien (Hormone) gewiss eine Rolle. — Doch wäre es ein Irrtum zu meinen, dass im Embryonalen die Entwicklung eines jeden Teils von jedem anderen abhängt. Im Gegenteil gilt für die Teile die Tatsache der Selbstdifferenzierung d. h. die unabhängige Entwicklung. Wenn dennoch das Ergebnis eine Einheit und kein Auseinander• fallen der Teile ist, so müssen Harmonien vorhanden sein, die von vornherein das Endstadium sichern. Eine dreifache Harmonie lehrt Driesch: der Konstellation, der Kausalität und der Funktion. Da sie vorgebildet ist, kann man die Morphogenese statisch-teleologisch (etwa: ruhend-zweckmässig) nennen. All das war primäre Regulation, denn die Störungen werden durch die Natur desr in Rede stehenden Prozesses (der Morphogenese) selbst ausgeglichen. Sekundäre Restitutionen sind wiederherstellende Prozesse, die dem Normalen fremd sind (die Regeneration eines abgetrennten Beins beim Molch oder Adventiv״ bildungen)9); Umdifferenzierung spielt dabei eine wichtige Rolle. Ein besonders markantes Beispiel weitgehender Restitution ist Clavellina, eine Ascidie, die einen sehr eigentümlichen Bau hat. Sie besteht aus zwei gegeneinander abgesetzten Teilen: dem Kiemenkorb uni Eingeweidesack. Wenn man diese von einander trennt, dann regeneriert der übriggebliebene den fehlenden. Aber die regenerative Fähigkeit geht noch weiter: der isolierte Kiemenkorb kann noch ,weiter geteilt werden, und jedes Bruchstück dieses Kiemenkorbs ist noch imstande, nicht nur den ganzen Kiementeil, sondern auch den Eingeweidesack, also das ganze Tier, wenn auch in sehr verkleinertem Masstabe wiederzubilden. o. Auf der Basis des bisher Vorgetragenen erhebt sich nun ein Beweis des Vitalismus. Systeme, die Elemente enthalten, die gemeinsam auch dann das Ganze bilden können, wenn durch einen Eingriff ein Teil der Elemente entfeint ist, während sie sonst nur ein Teil des Ganzen werden, nennen wir harmonisch־ aequipotentiell. Das wahre Schicksal eines Elements hängt 0) Restitution-Wiederherstellung der Organisation, Regulation der Funktion, Regeneration Wiederbildung des zerstörten Teils an seinem Platz, Adventivbildnng ausserhalb seines Ortes . . .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.