Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1921)
- Date
- 1921-11-01
- Page
- Seite 468 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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468 Untersuchungen über die Entwicklung usw. I. Kapitel. Die vortalmudische und talmudische Zeit. § 1. Wer die Bedeutung kennt, die die Bibel, vor allem der Pentateuch, für das religiöse und geistige Leben des jüdischen Volkes besitzt, wundert sich nicht, dass schon in den ältesten Zeiten Männer daran arbeiteten, den Bibeltext vor jeglicher Fälschung zu schützen. Zur Zeit Esras, als auf allen Gebieten neues jüdisches Leben erstarkte, scheint diese Tätigkeit begönnen zu haben. Im Hinblick darauf heisst es schon in der Mischna Aboth III17: ״ מסרת סייג לתורהdie Massora bildet einen schützenden Zaun um die Thora“. סופרים nennt man die ersten Vertreter dieser Richtung . . . שהי* סופרים כל האותיות שבתורה (Kidduschin 30a), ״weil sie alle Buchstaben der Thora zählten“1) und sagten, das Waw in גחון Lev. 11. 42 sei die Mitte sämtlicher Buchstaben des Pentateuchs; דרש דרש Lev. 10,16 die Mitte aller seiner Wörter: והתגלח Lev. 13,33 die Mitte aller seiner Verse2). Das Ain (תלדה) in מיער Ps. SO, 14 sei die Mitte der Buchstaben in den Psalmen, Ps. 78 Vers 38 die Mitte aller ihrer Verse. Die Zahl der Verse im Pentateuch wird dort mit 5888 angegeben3). Arbeiten über ihre Geschichte finden sich bei G. ßergsträsssr. Hebräische Grammatik . . . (== HG) Leipzig 1918!vor allem § 8); ferner die weit ausführlicheren Beiträge von F. Kahle in H. Bauer und P. Leander’s: Historische Grammatik der hebräischen Sprache . . . (־= H G) Halle 1918 (vor allem § 6). Dort wird auch der babylonischen Massora eine eingehende Darstellung־ gewidmet. *) Der Jeruschalmi Schekalim V deutet den Namen 213 ריס in anderer Weise: ״weil sie halachische Sätze zahlenmässig zu for~ mulieren gewohnt waren“. Es ist bedeutungslos für unsere Betrachtung־, welche Anschauung den Tatsachen entspricht. Der Hinweis genügt, dass der Babli, ohne eine gegenteilige Meinungsäusserung zu bringen, überliefert, die Früheren (חראשובים) hätten sich vor allem dem Zählen der Buchstaben gewidmet. 2) Traktat Soferim IX 3 gibt den Vers Lev. 8.15 an. s) Aehnliche Stellen finden sich im Jalkut Ekeb § 855, wo die Verszahl mit 5892 angegeben wird. *Auf welche Weise die im Babli gebrachte Zahl 5888 mit der massoretischen 5S45 in Einklang zu bringen ist, weist mein Vater נ״י •im ,,Jahrbuch der Jüdisch- Literarischen Gesellschaft-‘* 1908 Nr. XII nach.