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Jeschurun · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September 1921) · p. Seite 346

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
Seite 346 (sequence 4)
Language
German
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346 Samson Raphael Hirsch als Erzieher schildert, mit soviel Kunstverständnis und ästhetischem Feingefiihl gekennzeichnet worden. Wer gibt uns das Buch: ״S. R♦ Hirsch als Erzieher4־, wer gibt es uns Juden so, wie es der grosse Unbekannte, der anonyme Verfasser in jenem Werke den Deutschen gegeben? Das würde ein Buch, in dem all die Hoffnungen Israels zu frischem, fröhlichen Leben erwachten, die uralten Wahrheiten in lichter Klarheit sich wieder offenbarten, das heilige Gesetz seine beglückende und beseligende Macht entfaltete, und die ganze neu sich erschliessende Gedankenwelt wäre aus dem Geiste Kirschs geboren, wir hörten nicht nur die Worte des grossen Mannes, seine Seele stiege hernieder, und die wundersame Melodie, mit der sie die Mitwelt in ihren Bann zauberte, da sie noch auf Erden wreilte, erklänge wieder in einer neuen Harmonie, In einer Harmonie voll Kraft und Anmut, voll Lieblichkeit und berauschender Fülle, die unser führerloses Volk, unsere geistesarmen und willensschwachen Scharen mit ungeahnter Erkenntnis, mit flammender Begeisterung erfüllte, dass die alte, sturmerprobte Fahne des gesetzestreuen Judentums uns zu neuen Siegen führte, wie in der Vorzeit. Wir haben dies Buch nicht, und wir erhalten es wohl nicht in Bälde. Wir stehen dem Grossen noch zeitlich zu nahe, als dass es Einem unter uns gelingen könnte, alle Strahlen dieses Geistes zu sammeln und sie in neuen Lichtern zu verkörpern. Vielleicht ist es aber gestattet, ein paar lose Gedanken, einige anspruchslose Sätze vorzutragen, winzige Bruchstücke jenes Buches, das dereinst in seiner Vollendung uns von dem Berufenen gespendet wird. Einer ganzen Anzahl theoretischer Erörterungen wohnt nicht soviel Beweiskraft inne, wie einer einzigen lebendigen Erfahrung. Darum will ich erzählen, wie Hirsch mir zum Er־ zieher wurde. Einundzwanzig Jahre alt war ich geworden, in einer Gemeinde, wie Hamburg, aufgewachsen, und keine Zeile von Hirsch war bisher in meine Hand gelangt. Vielleicht war es so gut und noch besser, dass ich, als ich nun die Universität bezog, zuerst über die Jahrgänge des »Jeschurun״ geriet“.

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