Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · page 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
– (sequence 71)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2293004-2293008--05131-2298413
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Josef Israels usw. 383 greifender Blick. Dabei aber bewahrte er eine ungewöhnliche Bildhaftigkeit, weil er kein eigentlicher Metaphysiker war, sondern beglückt und erlöst wurde in der sinnlichen Welt. Hier sah er überall das Göttliche. Denn für ihn war das Göttliche dem Dasein immanent, Dasein selbst war für ihn schon höchste Beseeltheit. So zwingt uns seine Kunst immer wieder ins Gedankliche, vermittelt uns stets einen bestimmten affektiven Inhalt an einem künstlerisch hochstehenden sinnenhaften Vorwurf״ Denn Natur selbst war ihm seelenhaft erfüllt und erzählte ihm Ewiges über Mensch und Leben. IV. Wir sagen nur, dass seine Kunst eine der grossen Möglichkeilen war, nicht etwa die grösste oder vorbildlichste. Jede originale Kunst unterscheidet sich von jeder anderen, berechtigt sind sie alle in ihrer inneren Wahrhaftigkeit. — Auch über Israels ist längst die Entwicklung hinweggeschritten. Als Persönlichkeit bewahrte er sich in ihr. Aber wiederum ein neues Lebensgefühl rang auch in Holland nach neuem Ausdruck. Der grösste holländische Maler nach Israels war auch ein Naturgenie, aber wie anders fasste e r die Natur. Auch er warf sein Gemüt in die Umwelt und schuf sie lodernd um nach seiner Leidenschaft. Jetzt erstand sie dämonisch, grell und jäh; umwittert von Aengsten, die den Früheren fremd gewesen waren. Aber auch jetzt noch ist eine Art Tradition gewahrt und eine Erinnerung an Eembrandt. Wiederum ist es die L a n d s c h a f t, die letzte wenn auch betäubende Beglückung gewähren soll, und der Mensch, der sehr geheimnisvoll der Natur verbunden wird. Am Anbruch der neuesten Kunst steht Vincent van Gogh. Eine ״Geschichte des Judentums“*) Von Prof. Dr. A. Sulzbach, Frankfurt a. M. ״Meine Gesch. des Judentums ist als von einem Überzeitliehen Standpunkte aus nicht für diese Zeit allein geschrieben. Nicht die stauberfüllte, heisse Luft des Kampfes waltet hier, *) O. Hauser, Geschichte d. Judentums, Verlag A, Dunkker, Weimar.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.