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Jeschurun · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1921) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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275 Der konsequente Nationalismus hältms zu den religiös orientierten Juden gibt es nicht und, wenn es sie gäbe, und wenn sie zu Gunsten seiner Theorie spräche, so könnte daraus doch nichts für die Zukunft geschlossen werden. Wer will die lebendigen Kräfte abschätzen, die in geistigen Strömungen wirksam sind. So ist seine Behauptung, dass die Fortdauer des Judentums nur durch den konsequenten Nationanalismus gewährleistet ist, ein Postulat, dem wir mit dem gleichem Rechte das religiöse Postulat entgegenstellen können, dass wie seit zwei Jahrtausenden so auch in aller Zukunft bis zu dem Zeitpunkt, da die wahre Geulah kommt, der Bestand des Judentums durch die Gesetzestreue und die Gesetzestreuen gewährleistet ist. Damit entfällt auch alles, was Kl. in geradezu ermüdender Weitschweifigkeit von dem Todesurteil fabelt, das unerbittlich über das Galuth-Judentum verhängt ist. Es ist recht kühn, aus der Entwickelung, die wir aus dem einen Jahrhundert ablesen können — vorausgesetzt, dass wir richtig lesen —. auf die gesamte Zukunft eines Volkes schliessen zu wollen, das in den drei Jahrtausenden 80 manche katastrophale Wandlungen durchgemacht. Wie wohl die Welt nach einem Jahrhundert aussehen wird? Und wie seltsam muss es uns berühren, einen, der eine Weltumwälzung durchlebt hat, mit der sieh keine einzige wohl messen kann seit der grauen Vorzeit, eine Weltumwälzung, deren Auswirkungen noch ein tiefer Schleier bedeckt, — von einer Zukunft prophezeien zu hören, die doch wohl auch nach dieses Propheten Ansicht erst in Jahrhunderten sich verwirklichen wird. Mit Recht hat übrigens H. Margulies im * Juden“ II S. 560 ff. diese Verelendungstheorie mit der von Marx verglichen, an die das Proletariat so inbrünstig geglaubt und die sich doch als grundfalsch erwiesen. Angenommen selbst: wir erkennen mit ihm für das Volksganze das Gesetz der Zahl und Menge an. In Wahrheit kann auch eine Minderheit dem Volksganzen das Gepräge geben, zum mindesten einen Mittelpunkt hersteilen, der immer die Möglichkeit bietet, dass die Masse zu ihm gravitiert. Aber Klatzkin selbst erblickt ja auch für den konsequenten Nationalismus die einzige

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