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Jeschurun · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1921) · page 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
– (sequence 153)
Language
German
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262 Die Sephirazeit iisw. dazu bestimmt, jüdische Seelen zu werden. Ihr, die Ihr Gottes Lehre und Gesetz im Munde führt und sie euren Kindern anpreist; wellt ihr nicht dessen gedenken, den ihr den Vater dev Waisen nennt und der auch 6ueh; euch zu ihrem Vormund bestellt hat? Denn das ist mein Vorschlag. Ihr sollt die euch von Gott gestellte Vormundschaft nicht ablehnen. Ihr sollt eines dieser Kinder in euer Haus nehmen. Gross ist das Opfer, das euch zugemutet wird. Ihr sollt eure Kinder kürzen; materiell; um das; was an Kosten ^euch erwächst aus der Unterbaltungspflicht des neuen Kindes, ideell; indem ihr die geistigen Kräfte, die ihr auf das Er- .ziehungswerk verwendet, teilt und so auf 'das einzelne eurer eignen Kinder ein Weniger kommt. Kann ferner nicht die Eigenart des anderen Kindes störend und zersetzend auf* die Entwicklung der eigenen Kinder wirken? So ist es doch nicht, dass jeder sich das gesündeste; das schönste, das begabteste, das Kind ans der besten Familie aussuehe. Gerade die Kinder, die an körperlichen und seelischen Mängeln leiden, sind doch irn höchsten Grade der Fürsorge innerhalb der Familie fcedürfüg und würdig. Und insofern es sich nicht um schwere Mängel bandelt, die nur in Anstalten und Erziebungs- Instituten gehoben werden können, ist die Aufgabe an diesen Kindern doch die dankbarste. Kann ich, darf ich aber dieser schweren Aufgabe mich unterziehen, die noch Gefahren für meine eigenen Kinder in sich birgt? Und werde ich denn meinen Pflichten gegenüber dem fremden Kinde je nachfcommen können? Das eigene Kind kann ich züchtigen, ־wie ich will und wann ich will. Ich darf, ohne die schwersten Gewissensbisse mir machen zu müssen, es auch einmal zu Unrecht strafen, darf meine schlechte Laune an ihm auslassen. Es ־weiss immer: es ist mein Fleisch und Blut, ich kann ihm auf die Dauer niemals wehe tun. Doch das fremde?! Kiesenhoch recken sich da die Worte der Thora, der Propheten und unsrer Weisen auf von der Schuld, die man sich auflädt, wenn man eine Wraise nur mit einem Wort, mit einem Blick

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