Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 569 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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B Der Sehophar in den sibirischen Wäldern. 569 ' Der בעל תפלה fühlt die tausend Blicke, die auf ihn gerichtet sind. Er versteht, dass es heute nicht an der Zeit ist, sich bitten zu lassen. Er geht auf einen grossen Baum zu, umhüllt sein Haupt mit einem Tallis, und süsse Triller und erschütternde KläDge lösen sich von ihm, schweben über den Wald und ergiessen sich ringsherum in die weiten Wiesen, Felder und Wälder des unermesslichen Sibirien . . . Zum erstenmal hören sie ein jüdisches Wort, die ganze Landschaft erwacht, und stimmt machtvoll und stark ein in des Vorbeters ״Ha—a—a — ha — me—e lech!!!“ . . . Und die Stimmen der Beter fiiessen in ein mächtiges Brausen zusammen, das einem grossen Weh aus blutenden Herzen entatrömt, und alle Gebete vereinigen sich zu einem gewaltigen Gebet, das in die Höhen hinaufsteigt und die Himmel spaltet. Und auf die Bäume fällt ein Bangen ... Sie senken ihr Haupt und rauschen und ״dawneu* zusammen mit der Gemeinde . . . Nicht um Rache beten die unglücklichen Juden zu dem ״Gott, der mit rächender Vergeltung sich umgürtet.״ Alle stehen heut vor Gericht, man darf keinen anklagen, auch nicht einen Feind . . . Sie schütten nur ihr bitteres Gemüt vor ihrem Vater im Himmel aus . . . אכעו מלכנו! Das Weinen erschüttert den grossen Wald: ״Herr der Welt, geliebter Vater, wende von uns alle harten Schicksalsschläge . . . Wende von uns die Anschläge unserer Feinde, schliesse den Mund unserer Verleumder! . . . Die Luft Sibiriens erzittert von den jüdischen Stimmen und Tränen. Der Waid schreit auf, und die Sonne steht über den gebeugten Häuptern der Beter, gleichsam als wollte sie an ihrem grossen Schmerz Anteil nehmen, ihre Herzen mit ihren reichen, warmen, leuchtenden Strahlen trösten . . . Man ist vor dem Schopharblasen. Der alte, eisgraue Raw nimmt den Sehophar, stellt sich abseits auf einen Stein und beginnt mit von Tränen erstickter Stimme zu sprechen: ״Meine unglücklichen Brüder und Schwestern! . . Heut will ich Euch kein Mussar sagen . . . Ihr seid schon genug von Gott gestraft. Hebt eure Augen empor und sehet, wo wir