Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 547 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den Aufgaben usw. 647 steller danach ringen muss, zu einer Uebereinstimmung seiner Werke mit sich zu kommen. Noch eine Bemerkung zu Brandes’ Wort, dass der Wert der Person oft erheblich hinter dem der Gestalt zurückbleibt, die wir aus der Lektüre der Werke eines Autors abzuleiten geneigt sind. Das stimmt. Ich aber möchte den Schluss ziehen, den Brandes nicht macht, dass diese scheinbare Ueberlegenheit des Autors über den Menschen nicht einmal jenem zum Ruhm gereicht, sondern trotz des Erfolges in Wirklichkeit ein Scheitern der Lebensarbeit bedeutet. Die geforderte Uebereinstimmung ist das nach innen gekehrte subjektive Kennzeichen, ob das Schaffen eine Notwendigkeit für den Autor bedeutet, und auch die Objektivierung, das Werk in seinem Losgelöstsein vom Autor, wird von diesem Kriterium aus tadelnd betroffen. Auch verliert das niedergeschriebene Werk nicht jede Beziehung zu seinem Schöpfer. Ein geheimes Band bleibt weiter vom Autor zum Buch bestehen. Es ist unmöglich, einen Schriftsteller irgendwie ohne Berücksichtigung seiner Leistungen zu betrachten. Zu sehr ist sein Wesen in sein Schaffen verstrickt. Und ebenso wenig lässt sich ein Werk ganz von seinem Meister trennen. Noch immer speist sein Herz es mit seinem Blut. Und der Kreis der Empfangenden, das Publikum, will nicht lediglich neue Bücher, und seien sie noch so gut; er will Erzeugnisse menschlichen Geistes, die mit der Seele geschrieben sind, geschrieben werden mussten. II- Die vorstehend skizzierten Gedanken betreffen ganz allgemein das Schaffen und die Schaffenden. Und da die jüdischen Autoren ihnen angehören, so gelten diese fundamentalen Forderungen der Ehrlichkeit und des Ringens nach Gestaltung, die ihrem Wesen adaequat ist, natürlich auch für sie. Ja mehr noch für sie. Denn eine besondere Verpflichtung legt ihnen die Eigenart der jüdischen Kultur auf. Das ist das Grundlegende, hei dem wir verweilen müssen. Die Literatur anderer Völker und Kulturkreise empfangt ja nicht zuletzt ihre