Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 545 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den Aufgaben usw. 645 oder מפורשים tätigen Grossen nimmt in der Weltliteratur überhaupt eine Sonderstellung ein. Wohl nie hat es Männer mit so reichem Geist gegeben, die so bewusst auf Originalität und Eigenart verzichtet, die ihre ganze Denkkraft lediglich in den Dienst und den Ausbau eines seit langem tradierten Systems gestellt haben und schliesslich mehr durch den Titel ihrer Schriften als mit ihrem .Namen fortleben. Aber auch die das Philosophische betreffenden Werke vermeiden das Persönliche und streben eiue Neutralität der Darstellung an, die modernen Autoren ungewohnt ist. So ist der Schriftsteller in unseren Reihen eine junge Erscheinung und deshalb nicht zu einer so ausgeprägten Gestalt gelangt wio seine ihm unähnlichen Vorgänger. Umso grösser ist bereits die Schar der Autoren. Angesichts der Situation unserer Literatur ist es kein überflüssiges Unternehmen, von den Aufgaben zu sprechen, die der Autoren harren. Ohne dass es im folgenden besonders bemerkt wird, denken wir vorwiegend — nicht ausschliesslich — an die Literatur, die den Geist der Ueberlieferimg atmet, und an Schriftsteller, die dem historischen Judentum dienen wollen. Die Kritik de3 Vorhandenen wollen wir hier nicht in den Vordergrund stellen. Aber aus den Er- Wartungen, die wir für die Zukunft hegen, und gelegentlich abzulehnender Versuche, die vorliegen, wird doch hin und wieder ein Urteilsspruch über bereits Geleistetes hervorgehen. — Wir wollen von keiner bestimmten Gruppe der Autoren sprechen; insbesondere denke ich freilich an den Essayisten. Das Gemeinsame aller habe ich im Auge. I. Wir müssen einige Sätze über das geistige Schaffen vorausschicken. — Das Werk ist durchaus nicht immer ein getreuer Spiegel des Verfassers. Das geformte Werk hot nämlich noch andere Ursachen als das untrügerischo schöpferische Agens im Denker. ״Es denkt״ zwar wesentlich unabhängig vom Bewmsstsein. Aber im Verlauf des geistigen Produzieren kommen noch fremdartige Faktoren hinzu: Ehrgeiz und Ruhmsucht erpressen 4