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Jeschurun · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 480

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 480 (sequence 64)
Language
German
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480 Tohuwabohu. Bleibt eine mit grosser Geschicklichkeit in einander verflochtene Serie satirischer Skizzen. Das braucht nicht wenig zu sein. Aber auch hier hat sich der Vf. um die volle Wirkung durch seine Uebertreibung gebracht. Die Satire wird zur Karikatur. Die liberalen Rabbiner (und die Satire hat doch nur Sinn, wenn nicht ein einzelner getroffen wird, sondern mit dem Typ die Gattung) sind schliesslich nicht solches Lumpengesindel, wie ,,der süsse Magnus“, die Gegner des Zionismus nicht solche Cretins, wie sie uns vorgefiihrt werden. Dass der Chemiker Dr. Pinkus (natürlich auch ein fanatischer Antizionist), obgleich er Vorstandsmitglied des Vereins für Feuerbestattung ist und die freiesten resp. überhaupt keine religiösen Anschauungen hat, sich ein Minjan zur Begehung der Jahrzeit auf einer Studentenbude zusammentrommelt und im Tallis vorbetet, lassen wir uns noch gefallen. Aber die Satire wird eben zur Karikatur, wenn er, während er sich in den Tallis hüllt, schreit: ,.Nieder mit allem Aberglauben, fort mit der Religion!“ und ebenso während er ש״ע ausgeht als unmittelbare Fortsetzung des Gebetes, während er das Gebetbuch küsst: ״Mit Stumpf und Stil muss die sögenannte Religion ausgerottet werden!“ Das ist ja freilich das Schicksal der Satire im Allgemeinen und selbst Jonathan Swift’8 Gulliver’s Reisen hat sich nicht davon frei gehalten. Die Reise in das Land der klugen Pferde fehlt bei den populären Bearbeitungen meist und ist daher weniger bekannt; mit Recht, denn diese schrille Dissonanz, mit der das Werk schliesst, dass der Mensch schlechter und dümmer ist als das Tier, löst den stärksten Widerspruch beim Leser und bringt uns um die stille Genugtuung, die wir bei der Verspottung der militärischen und politischen Institutionen und so weit verbreiteten menschlichen Laster und Schwächen durch das Spiegelbild, das sich uns im Reiche der Zwergen und Riesen darstellt, empfinden. Und noch ein anderes, das uns der Maßstab, den wir in Swift, einem der grössten Satiriker aller Zeiten, besitzen, nahelegt. Swift’s ״Märchen von der Tonne“ ist sicher keine angenehme Lektüre für einen Bekenner der offenbarten Religion. Aber es

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