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Jeschurun · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September 1920) · p. Seite 418

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 418 (sequence 2)
Language
German
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418 Das jüdische Gewissen. Die Stimme der Thora, des Propheten und des Psalmisten ist es, die aus diesen Worten zu uns heriiberschallt. Fürchterliches malen uns die Selichoth aus der hadrianischen Verfolgung, den Kreuzzügen, der Zeit des schwarzen Todes, des Chmelnickiverhängnisses. Man zieht den Juden die Haut ab, man zerreist ihnen das Fleisch mit eisernen Kämmen, man treibt ihnen eiserne Spitzen unter die Nägel, man rädert und ־vierteilt sie. Mit unendlicher Schmach hat sich das Eömertum, mehr noch das Christentum in seinen Judenverfolgungen bedeckt. Man darf aber wohl sagen, dass es bei all den ausgesuchten Martern sich nur um kleinere Gruppen handelte und dass das Raffinement in der seelischen Folterung des Juden erst in unserer aufgeklärten Zeit, im Zeitalter der Völkerbefreiung im zwanzigsten Jahrhundert die höchste Steigerung erfahren. 108 000, sage und schreibe hundertachtunddreissigtausend Juden sind nach den neuesten authentischen Nachrichten in der Ukraine ermordet worden. In einer Stadt an 500, in einer an 1000, in einer an 2000, in einer an 4000, in einer an 6000, in einer an 8000. 565 Orte, in denen das Morden wütete. Die Zahl der Kranken, Verwundeten, Misshandelten, durch das Er־״ lebte wahnsinnig Gewordenen ist gar nicht zu übersehen. Und wie hat man sie gemordet! Man schlachtet sie, wie man Ochsen und Böcke schlachtet, man bringt sie zum Viehhof. Wie das Vieh und mit dem Vieh zusammen fesselt man Greise und Kinder, und wie das Vieh und mit ihm schlachtet man sie zusammen. Man schlachtet sie langsam mit Gemütlichkeit, mit dem Messer, vom Halse her. Das Messer setzt ab zwischen einem Schlachten und dem anderen und mitten im Sohlachteu, und das Blut mischt sich mit dem Blut der Ochsen und Böcke. Man zieht die Mutter nackt au* und zwingt; sie, mit eigenen Händen ihren Sohn lebendig zu begrab!1 oder doch den e.sten Sandhaufen auf ihn zu werfen. Man wirft Hunderte von Männern, Frauen, Kindern und Greisen in die Flu um d^s Flusses, einen nach dem anderen. Man begräbt Menschen gruppenweise lebendig, und die Gräber müssen sich die Opfer seibst graben. Man tritt ein bei einer Familie: ״Schlagt einen vor“, ״wählt einen aus

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