Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- Seite 408 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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40S Professor Israel Friedländer b״*. der Kenntnis der deutschen, seinen deutschen Kommilitonen weit überlegen. Am Rabb inerseminar, in das er bald eintrat, gab er nicht weniger, als er nahm. Schreiber dieses verdankt ihm die Bekanntschaft mit den Werken von Dubnow und Achad Haam. Die Uebersetzung von ״S. M. Dubnow Jüd. Geschichte, ein geschichtspbilosophischer Versuch‘4' und des I. Bandes von ״Achad Haam am Scheidewege“ sind unter unseren Augen entstanden. Ein Liebling seiner Lehrer, ein Freund und Förderer seiner Kommilitonen, zeichneten ihn schon hier seine drei Grundtugenden aus: Wahrheitsliebe, Bescheidenheit und Dankbarkeit. Die Entwurzelung aus den heimatlichen Verhältnissen, die Notwendigkeit sich durchzuschlagen, das Bewusstsein des grösseren Wertes und der umfassenderen Kenntnisse erzeugen oft den unsympathischen Typ der auf fremden Boden verschlagenen ostjüdischen Jünglinge, jene brüchigen Charaktere, die uns aus der jüdischen Literatur und dem jüdisch politischen Leben bekannt sind. Auf Friedländers Charakterbild war kein Fleck; kein Wort der Lüge kam je aus seinem Munde, nie hat er lügnerisch diplomatisches Schweigen benutzt, um sich einer unangenehmen Lage zu entziehen, oder sich einen Vorteil zu verschaffen. Dem echten Weisen gleich, wuchs ihm, je grössere Fortschritte er machte, das Gefühl seiner Unzulänglichkeit. Und wahrhaft rührend war die Dankbarkeit, die er jedem entgegenbrachte, der ihn auch nur im kleinsten förderte. Im Gegensatz zu vielen anderen hat er auch während des Krieges nicht vergessen, was er der deutschen Wissenschaft dankte, und seiner Deutschfreundlichkeit manches Opfer gebracht. Die Vornehmheit seines Charakters war es vielleicht ebenso wie seine grossen Gaben, die den Altmeister der semitischen Philologie Nöldeke veranlasst©, gegenüber allen Widerständen (in tder Wilhelminischen Periode für einen jüdisch polnischen Jüogliag, der nicht im Besitze eines einzigen Schulzeugnisses war!) seine Zulassung zum Privatdozenten an der Universität Strassburg, schon ein Jahr nach der Doktorpromotion durchzusetzen. Er promovierte mit der Arbeit über den ״ Sprachgebrauch des Maimonides“, aber nur ein Jahr blieb er in Strassburg, schon