Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Date
- 1920-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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7• Jahrgang תמוז־אב הר״ם Juli-August 1920 Heft 7/8 Die Zeitkultur und die traditionelle Anschauung. Von Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin. An keine andere Gruppe tritt das Problem: Jüdische und Zeitkuitur so antwortheischend heran wie an die jüdischen Denker; denn ihnen erlegt der Beruf und das Fach bereits eine Fülle von Fragen auf, zu denen der Nichtakademiker nur hei ausser־ gewöhnlichem Forschen gelangt. Es mag deshalb geeignet erscheinen, die Aufgaben des jüdischen Forschers, das Wesen der Zeitkultur in ihrem Verhältnis zur jüdischen Lehre und die Forschungsaufgaben, die dieses Verhältnis dem Akademiker stellt, zu erörtern. I. Der geistige Jude hat die Aufgabe, die Lehre ins Leben zu tragen, insbesondere für seine Person möglichst den ganzen Komplex der jüdischen Verpflichtungen in die Tat umzusetzen d. h. selbst unter den schweren geistigen und sozialen Bedingungen der Umwelt das jüdische Gesetz zu erfüllen und die jüdischkulturelle Eigenart zu wahren; ja, er ist berufen—im Gegensatz zu der Praxis der meisten anderen Menschen — das Leben Opfer zugunsten der Lehre bringen zu lassen. Doch soll er nicht kurzsichtig die Augen den Forderungen des Lebens verschliessen, vor allem 8011 er sich den Sinn für die Konflikte im Leben bewahren, vornehmlich wo es um die Beurteilung anderer Menschen geht. Er darf nicht in Brandscher Halsstarrigkeit die Kraft des eigenen Willens, und sei er auch noch so rein, überschätzen: sonst richtet er sich oder die Welt zugrunde. Der 1